Nachhaltigkeit

07.12.2016
Kim Karotki

Jugend forscht in Gees­te

Um sich auf den Regio­nal­wett­be­werb „Jugend forscht“ im Febru­ar in Lin­gen vor­zu­be­rei­ten, expe­ri­men­tie­ren vier Schü­ler vom Gym­na­si­um Maria­num im Labor und Gewächs­haus von Klasmann-Deilmann in Gees­te. Sie möch­ten wis­sen: Was hat es eigent­lich mit dem Hype um effek­ti­ve Mikro­or­ga­nis­men auf sich? Und wel­chen Ein­fluss haben Schad­stof­fe in der Luft auf Pflan­zen?

Mit einem Holz­li­ne­al aus­ge­stat­tet beugt sich Alex­an­der Base­ni­us über sei­ne Basi­li­kum-Test­pflan­zen im Klasmann-Deilmann-Gewächs­haus in Gees­te. Ein prü­fen­der Blick auf das Line­al, dann zückt er den Blei­stift und trägt den Wert in sei­ne Tabel­le ein. Gemein­sam mit sei­nem Schul­ka­me­ra­den Timo Väh­ning möch­te der Acht­kläss­ler unter­su­chen, was eigent­lich hin­ter dem „Wun­der­mit­tel“ EM (effek­ti­ve Mikro­or­ga­nis­men) steckt. „Ich habe im Inter­net viel dar­über gele­sen und dach­te mir: ‚So toll kann’s doch gar nicht sein‘“, erzählt der Schü­ler, der in sei­ner Frei­zeit ger­ne gärt­nert.

Ver­suchs­rei­he mit EM im Sub­strat

Also haben die bei­den bei Klasmann-Deilmann eine Ver­suchs­rei­he gestar­tet: Im Ver­gleich hat er bei Basi­li­kum- und Papri­ka­pflan­zen jeweils die vom Her­stel­ler emp­foh­le­ne Dosis EM sowie die dop­pel­te Dosis in das Sub­strat gege­ben. Zur Über­prü­fung beob­ach­ten sie außer­dem das Wachs­tum bei Pflan­zen ohne die Zuga­be von EM. Tat­säch­lich zeigt sich bis­her ein stär­ke­res Wachs­tum bei den Jung­pflan­zen mit EM. Was dahin­ter steckt möch­ten die Schü­ler vom Gym­na­si­um Maria­num in Mep­pen, Alex­an­der und Timo, nun unter­su­chen, um für den Wett­be­werb im Febru­ar eine gute Ant­wort parat zu haben.

2016-12-07-bb-jugend-forscht-mikroorganismen-4Sebas­ti­an Berent­zen und Chris­toph Tha­le befas­sen sich mit soge­nann­ten „Aero­so­len“. Ein Aero­sol ist ein Gemisch aus kleins­ten Teil­chen in der Erd­at­mo­sphä­re. Das kön­nen Pol­len oder Spo­ren sein, Wüs­ten­staub oder Meer­salz, aber auch vom Men­schen erzeug­te Par­ti­kel aus Ver­bren­nungs­pro­duk­ten oder ande­ren indus­tri­el­len Pro­zes­sen. Ihren Fokus haben die bei­den Schü­ler des Marian­ums auf die Schad­stof­fe in der Luft gelegt. Sie unter­su­chen den Ein­fluss die­ser Umwelt­ver­schmut­zun­gen auf das Wachs­tum von Pflan­zen.

Für ihre Ver­suchs­rei­he brin­gen sie auf die Samen sowie die spä­te­ren Salat- und Kohl­pflan­zen ein flüs­si­ges Gemisch auf. Es besteht unter ande­rem aus Butan­di­ol (wird als Lösungs­mit­tel sowie zur Her­stel­lung von Kunst­stof­fen ver­wen­det) und Pro­py­len­gly­kol (Trä­ger­stoff für Farb­stof­fe und Emul­ga­to­ren, auch im Rauch von E‑Zigaretten ent­hal­ten). „Damit möch­ten wir die Situa­ti­on in der Umwelt rea­li­täts­nah simu­lie­ren“, sagt Chris­toph. Denn Aero­so­le sind an der Wol­ken­bil­dung betei­ligt. Einen Teil der Schad­stof­fe neh­men Pflan­zen des­halb über den Regen auf.

Pflan­ze wider­stands­fä­hi­ger machen

In unter­schied­li­chen Kon­zen­tra­tio­nen und zeit­li­chen Abstän­den wer­den die Pflan­zen mit der Flüs­sig­keit besprüht, um die Fol­gen bei stän­di­gem Kon­takt mit den Umwelt­ver­schmut­zun­gen zu unter­su­chen. Schon jetzt ist den bei­den klar: „Die Pflan­zen neh­men nicht nur Scha­den durch den direk­ten Kon­takt. Bei den Pflan­zen, die wir als Säm­lin­ge besprüht haben, sehen die Blät­ter auch nicht gut aus. Das deu­tet dar­auf hin, dass die Pflan­zen die Stof­fe auch über die Wur­zeln auf­neh­men.“ Nun gilt es her­aus­zu­fin­den, wie sich der schäd­li­che Ein­fluss ver­mei­den lässt oder wel­che Mög­lich­kei­ten es gibt, die Pflan­ze wider­stands­fä­hi­ger zu machen.

2016-12-07-bb-jugend-forscht-aerosole-5Regi­na Wil­kens, Bio­lo­gie- und Che­mie-Leh­re­rin am Gym­na­si­um Maria­num und als MINT-Koor­di­na­to­rin zustän­dig für die Ver­net­zung der Natur­wis­sen­schaf­ten an der Schu­le hat­te sich aus gutem Grund mit der Jugend-forscht-AG an Klasmann-Deilmann gewandt: „Vor meh­re­ren Jah­ren hat schon ein­mal eine Grup­pe hier in Gees­te bei Klasmann-Deilmann geforscht. Damals ging es um Ter­ra pre­ta, die India­ner-Schwarz­er­de. Mit dem Pro­jekt haben die Schü­ler vie­le Prei­se gewon­nen.“ An den Erfolg möch­te die Leh­re­rin nun anknüp­fen und hofft auf ähn­lich gute Ergeb­nis­se beim nächs­ten Wett­be­werb „Jugend forscht“.

Bernd Nord­zie­ke (Rese­arch & Deve­lop­ment) selbst einst Schü­ler an dem Mep­pe­ner Gym­na­si­um nimmt sich ger­ne Zeit, um den Jugend­li­chen bei ihrem Vor­ha­ben mit Rat und Tat zur Sei­te zu ste­hen. „So ein Pro­jekt ist eine gute Mög­lich­keit, jun­ge Men­schen für die wis­sen­schaft­li­chen Aspek­te des Gar­ten­baus zu begeis­tern.“ Beson­ders dann, wenn die Zahl der Stu­di­en­an­fän­ger im Bereich Gar­ten­bau rück­läu­fig ist, lie­ge die Ver­ant­wor­tung auch bei der Bran­che, das Inter­es­se zu wecken, fin­det der stu­dier­te Agrar­bio­lo­ge. „Und wenn eine Schu­le auf uns zukommt, ist es natür­lich eine Selbst­ver­ständ­lich­keit, dass wir so ein Vor­ha­ben unter­stüt­zen.“

Jugend forscht“ ist der größ­te euro­päi­sche Jugend­wett­be­werb für Natur­wis­sen­schaf­ten und Tech­nik. 1965 wur­de er vom dama­li­gen Stern-Chef­re­dak­teur Hen­ri Nan­nen ins Leben geru­fen.