Unternehmen

24.06.2026
Annette Schindler

Klasmann-Deilmann: 50 % Torfreduktion bis 2030

Geschäftsführer Damian Ikemann zu den Fragen der TASPO

Die folgenden Fragen beantwortete Damian Ikemann, CEO der Klasmann-Deilmann-Gruppe, im Rahmen eines Interviews mit der TASPO. Auszüge aus seinen Antworten wurden in der TASPO-Beilage „Erden und Substrate“ veröffentlicht, die am 19. Juni 2026 erschien. Nachfolgend sind die vollständigen Antworten zu lesen.

  1. 1. Wie ist Ihre aktuelle Geschäftsstimmung angesichts der spürbaren Kaufzurückhaltung der Endverbraucher sowie der vielen negativen Signale wie etwa vom Ifo- und GfK-Index?

Damian Ikemann: Seit Beginn der Corona-Pandemie reiht sich Krise an Krise mit globaler Tragweite. In der Folge unterliegt die Geschäftsstimmung immer wieder Schwankungen. Es bleibt aber dabei, dass sich unser Geschäftsmodell als weitgehend resilient gegenüber den geopolitischen Einflüssen erweist. Inzwischen greifen auch interne Mechanismen, um konstruktiv mit der jeweiligen Situation umzugehen und mit vollem Engagement weiterzumachen. Wir bleiben zuversichtlich.

  1. 2. Wie bewerten Sie das Risiko, dass der „Runde Tisch“ in Deutschland ähnlich oder aus anderen Gründen ins Wanken gerät wie das niederländische Torf-Convenant – und wie lässt sich das verhindern?

Damian Ikemann: Wir möchten nicht über ein Scheitern des Runden Tisches spekulieren, bevor er richtig Fahrt aufgenommen hat. Es ist gut, dass der Runde Tisch nun endlich installiert ist. Solange die Beteiligten nicht auf Maximalforderungen beharren, sondern kompromissbereit und realistisch bleiben, kann eine angemessene und tragfähige Lösung zustande kommen.

  1. 3. Wie reagieren Sie auf den Vorwurf von NGOs, dass die heimischen Einschränkungen lediglich zu einer ökologischen Problemverlagerung in die baltischen Staaten führen, an der deutsche Unternehmen massiv beteiligt sind?

Damian Ikemann: Das Baltikum gehört seit Jahrzehnten zu den wichtigen Rohstofflieferanten für den Gartenbau. Insofern verschiebt sich gegenwärtig nichts mehr dorthin. Die baltischen Rohstoffe gewinnen jedoch weiter an Bedeutung, wenn andere Quellen wegfallen. Wer in diesem Kontext aber von einer Problemverlagerung spricht, verkennt die beachtlichen und erfolgreichen Anstrengungen der Substratindustrie, in großem Umfang nachwachsende Rohstoffe zu nutzen. Allein Klasmann-Deilmann hat im vergangenen Jahr 1,15 Mio. m³ alternative Ausgangstoffe in Kultursubstraten eingesetzt.

  1. 4. Wie hoch ist der Anteil an baltischem Torf in Ihrem Profi-Sortiment aktuell, und wie gleichen Sie in Ihrer CO₂-Bilanz die langen Transportwege und den dortigen Torfabbau aus?

Damian Ikemann: Torfgewinnung und Transporte verursachen Emissionen, die zunehmende Nutzung alternativer Ausgangsstoffe und ihre Transporte verursachen ebenfalls Emissionen. Die Substratbranche ist leider nicht klimaneutral. Daran würde selbst ein vollständiger Verzicht auf Torf nichts ändern. Es ist aber richtig, dass Torf und Transporte die größten Einsparpotenziale bergen. Mit der Torfminderung ist die Branche also auf dem richtigen Weg, um Emissionen zu reduzieren. Klasmann-Deilmann geht hier bereits einen Schritt weiter: Wir können einem Substrat einen präzise berechneten Anteil unserer Pflanzenkohle TerraCoal zumischen und gleichen damit alle Emissionen aus Rohstoffen, Produktion und Transport aus. Strikt verbunden ist dieser Vorgang mit dem Kauf offizieller CO2-Zertifikate. Das heißt: Faktisch haben wir schon die Möglichkeit zum vollständigen Ausgleich, doch der höhere Preis dafür lässt sich im Markt meist noch nicht realisieren.

  1. 5. Inwieweit beeinträchtigen die weltwirtschaftliche und politische Lage sowie die hohen Energiepreise die Logistikketten für Ersatzstoffe wie Holzfasern oder Kokos, und gefährdet dies die Torfminderungsziele?

Damian Ikemann: Es gibt schmerzliche Preissteigerungen, unter denen die ganze Gartenbaubranche leidet. Die Rohstoff-Lieferketten sind jedoch weitgehend intakt. Es zeigt sich einmal mehr, dass die Substratbranche ihre Ressourcen nach Art und Ort möglichst divers sichern sollte, um jederzeit handlungsfähig zu sein. Klasmann-Deilmann hat daher in den vergangenen Jahren intensive Anstrengungen unternommen, um die Lieferfähigkeit für alle benötigten Substratausgangstoffe über langfristige Lieferantenverträge und den Aufbau neuer eigener Produktionskapazitäten abzusichern. Dies hat sich gerade im zurückliegenden Winter und Frühjahr sehr positiv ausgewirkt, denn trotz der proklamierten Torfknappheit waren wir zu jeder Zeit verlässlicher Lieferant all unserer Kunden. Unser Ziel ist nun die Steigerung des Anteils alternativer Ausgangsstoffe auf 50 % bis 2030, und dieses Ziel ist nicht gefährdet.

  1. 6. Welche konkreten Investitionen tätigen Sie in regionale Alternativen (wie beispielsweise Paludikulturen, Torfmoos-Anbau), um die Abhängigkeit von Importen und fossilen Brennstoffen für den Transport zu senken?

Damian Ikemann: Wir investieren in den innovativen, geschützten Anbau von Sphaxx-Torfmoos und bieten damit eine umweltverträgliche Alternative zu Moosen aus Naturmoorflächen. Zudem sind unsere neue Pflanzenkohle TerraCoal sowie die gut etablierten GreenFibre-Holzfasern und der TerrAktiv-Grünkompost allesamt lokale Torfalternativen aus der deutsch-niederländischen Region.

  1. 7. Wie weit sind Sie bei der Vorbereitung auf die Umsetzung der PPWR-Vorgaben, insbesondere beim Einsatz von Post-Consumer-Rezyklaten in Ihren Substratverpackungen, der 100-prozentigen Recyclingfähigkeit von Folien und Palettenumwicklungen sowie der Vermeidung von Leerraum?

Damian Ikemann: Auf die erste Stufe der PPWR-Richtlinien sind wir gut vorbereitet – soweit es die nach wie vor bestehenden rechtlichen Unschärfen zulassen. Die Konformitätsbewertung läuft, unsere Substratverpackungen enthalten bereits heute einen hohen Anteil PCR, Leerraum gibt es nicht in unseren Verpackungen. Das Thema Recyclingfähigkeit an sich ist noch nicht abschließend definiert und für ein 100-prozentiges Recycling fehlen bislang aussichtsreiche Ansätze. Gemeinsam mit unseren Lieferanten arbeiten wir aber mit Nachdruck an Lösungen.

  1. 8. Welche Erfahrungen haben Sie bereits mit den neuen biologisch abbaubaren Depotdünger-Hüllen gemacht, und wie lösen Sie das Problem der geringeren Stabilität und der damit verbundenen kürzeren Lagerfähigkeit der Substrate?

Damian Ikemann: Bereits in der Vergangenheit sollten Substrate mit Langzeitdüngern möglichst zeitnah genutzt werden, da die Nährstofffreisetzung nach der Zumischung zügig beginnt und eine Lagerung zu einem unerwünschten Anstieg des Salzgehaltes führen kann. Insofern ist die Lagerfähigkeit kein neues Kernkriterium für die neuen LZD-Typen mit abbaubarer Hülle. Welche Änderungen sich in den Freisetzungs- und Stabilitätsraten sowie im Typenportfolio konkret ergeben werden, wird derzeit eingehend geprüft. Unser Team aus Forschung & Entwicklung steht mit allen Herstellern von Langzeitdüngern in engem Austausch und es sind Projekte mit neuen Typen in Vorbereitung.

 

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