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18.10.2019
Dirk Röse
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Was­ser marsch!

Feu­er­weh­ren üben Lösch­ein­satz auf Torf­flä­chen

Schwe­res Gerät und Roh­stof­fe bren­nen, Ein­satz­fahr­zeu­ge haben kei­nen Zugang: Die Feu­er­weh­ren im mitt­le­ren Ems­land prob­ten den Ernst­fall auf einer Gewin­nungs­flä­che der Pro­duk­ti­ons­ge­sell­schaft Süd.

Der fei­ne Land­re­gen ließ nicht nach. Vom frü­hen Sams­tag­mor­gen bis in den Nach­mit­tag hin­ein nie­sel­te es unun­ter­bro­chen. Für einen Augen­blick stand der Ein­satz auf der Kip­pe: Eine groß ange­leg­te Feu­er­wehr­übung im Regen? Nas­ser, glit­schi­ger, kleb­ri­ger Torf statt stau­bi­gen Torf­par­ti­keln in flir­ren­der Hit­ze? Doch dann sahen sich die lei­ten­den Ein­satz­kräf­te nur ein­mal an und jedem war klar: Wir zie­hen das hier durch.

Dabei war das Sze­na­rio rea­lis­tisch: Der hei­ße, dür­re Som­mer erhöht die Brand­ge­fahr. Tro­cke­ner Torf gerät in den Motor­raum des Bag­gers und ent­zün­det sich. Der Bag­ger­füh­rer ver­sucht, den Brand­herd mit dem Feu­er­lö­scher zu bekämp­fen. Doch er hat kei­ne Chan­ce, die Flam­men brei­ten sich aus, grei­fen auf die Gewin­nungs­flä­che über, und dann sorgt der Fun­ken­flug dafür, dass auch die Vor­rats­mie­ten in Brand gera­ten.

Schnell ist die Feu­er­wehr alar­miert und kurz dar­auf erscheint der ers­te Lösch­zug. Aber der bren­nen­de Bag­ger steht nicht in der Nähe der befes­tig­ten Wege, son­dern tief in der Püt­te. Die Ein­satz­fahr­zeu­ge kom­men dort nicht hin. Nun grei­fen die Abläu­fe, die die Feu­er­wehr bereits unzäh­li­ge Male geübt hat. Über meh­re­re hun­dert Meter müs­sen Schläu­che aus­ge­rollt, Gene­ra­to­ren ins Feld trans­por­tiert und die Ver­bin­dung zu den Was­ser­tanks her­ge­stellt wer­den. Der­weil hat sich das Feu­er wei­ter aus­ge­brei­tet, zusätz­li­che Lösch­zü­ge wer­den geru­fen und als­bald sind immer mehr Feu­er­wehr­män­ner und ‑frau­en aus den umlie­gen­den Ort­schaf­ten im Ein­satz. Zum Glück kann schnell Ent­war­nung gege­ben wer­den: Das Feu­er ist unter Kon­trol­le, der Bag­ger ist bereits gelöscht.

Um best­mög­lich auf die­ses oder ein ver­gleich­ba­res Sze­na­rio vor­be­rei­tet zu sein, übten die Klasmann-Deilmann Pro­duk­ti­ons­ge­sell­schaft Süd und die umlie­gen­den Feu­er­weh­ren nun den Ernst­fall.

Feld­meis­ter Heinz Post hol­te die zustän­di­ge Feu­er­wehr Groß Hese­pe an einem fest­ge­leg­ten Ort am Ran­de des Nord­felds ab und gemein­sam rück­te man über befes­tig­te Wege ins Gelän­de vor. Ein­satz­lei­ter Die­ter Ein­haus ließ Tank­lösch­fahr­zeu­ge aus Oster­b­rock und Schö­ninghsdorf, ein Lösch­grup­pen­fahr­zeug vom Twist sowie den Ein­satz­leit­wa­gen aus Oster­b­rock nach­alar­mie­ren. Schon bald waren mehr als 40 Ein­satz­kräf­te im Ein­satz. Klasmann-Deilmann stellt einen Trak­tor bereit, der auf den Ein­satz in den Torf­flä­chen aus­ge­legt ist. Die­ser zog einen Schlit­ten, auf dem sich Schläu­che, Gene­ra­to­ren und ande­res Ein­satz­ge­rät befand, tief in die Püt­te hin­ein. Nach einer erstaun­lich kur­zen Zeit floss das ers­te Was­ser durch die Schläu­che und die Lösch­ar­bei­ten am ima­gi­nä­ren Feu­er began­nen. 8.000 Liter zusätz­li­ches Lösch­was­ser wur­de in einem Tank­wag­gon mit der Moor­bahn her­an­ge­schafft.

Auch die Tücken des Moo­res bekam die Feu­er­wehr zu spü­ren. Eines der Feu­er­wehr­fahr­zeu­ge kam vom befes­tig­ten Weg ab und ver­sack­te im Torf. Schnell war jedoch der Trak­tor zur Stel­le, um den Wagen zu befrei­en.

Gegen Mit­tag war die Übung erfolg­reich been­det, das Equip­ment wur­de wie­der ein­ge­sam­melt, gerei­nigt und ver­la­den. Bei der anschlie­ßen­den Manö­ver­kri­tik kamen Feld­meis­ter Heinz Post, Chris­toph Wall­mey­er (Pro­cu­re­ment Ser­vices), Ein­satz­lei­ter Die­ter Ein­haus, Heinz Lüb­bers als Brand­schutz­prü­fer des Land­krei­ses Ems­land, Orts­brand­meis­ter Heinz Grü­ter, Abschnitts­lei­ter Wolf­gang Vel­trup und Gemein­de­brand­meis­ter Gün­ter Kei­ser zusam­men. Micha­el Per­schl, Geschäfts­füh­rer der Pro­duk­ti­ons­ge­sell­schaft Süd, bedank­te sich bei allen Betei­lig­ten der Feu­er­weh­ren für den enga­gier­ten und erfolg­rei­chen Ein­satz.

Es ist wich­tig, dass wir uns auf den Ernst­fall vor­be­rei­ten, der hof­fent­lich nie­mals kommt“, so Micha­el Per­schl. „Wir ler­nen von­ein­an­der, wir stel­len uns auf das Gelän­de und auf­ein­an­der ein, wir erken­nen kri­ti­sche Punk­te in den Abläu­fen – wir wer­den von Mal zu Mal bes­ser. Es ist gut zu wis­sen, dass die­se Feu­er­weh­ren immer in unse­rer Nähe sind.“

Hin­ter­grund der Feu­er­wehr­übung waren die ver­gan­ge­nen zwei außer­ge­wöhn­lich tro­cke­nen Som­mer. Im Som­mer 2018 hat­ten sie bei der Wehr­tech­ni­schen Dienst­stel­le Mep­pen zu einem groß­flä­chi­gen Moor­brand in der Tin­ner Dose geführt. In 2019 brann­te es auf Flä­chen in Litau­en sowie im Rena­tu­rie­rungs­ge­biet in der Ester­we­ger Dose.