Unternehmen | Nachhaltigkeit

13.02.2020
Dirk Röse
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Rena­tu­rie­rung von Moor­bö­den beschleu­ni­gen

Klasmann-Deilmann ver­treibt Torf­moo­se | Emis­sio­nen sen­ken, Kli­ma­schutz­zie­le errei­chen

Klasmann-Deilmann beginnt mit dem Ver­trieb von Torf­moo­sen. Die sel­te­nen Pflan­zen stam­men aus der eige­nen Spha­gnum-Bank im Ems­land sowie aus der Ver­meh­rung in Gewächs­häu­sern. Ziel ist es, inner­halb nur weni­ger Jah­re eine moor­ty­pi­sche Flo­ra und Fau­na zu eta­blie­ren. „Unser Kon­zept hat einen direk­ten Bezug zum Kli­ma­schutz­pa­ket der Bun­des­re­gie­rung“, führt Geschäfts­füh­rer Moritz Böcking aus. „Wir brin­gen die Torf­moo­se auf Moor­bö­den aus und beschleu­ni­gen die Rena­tu­rie­rung. Es ent­ste­hen Koh­len­stoff­sen­ken, mit denen Emis­sio­nen ver­min­dert wer­den und die zur Errei­chung der Kli­ma­schutz­zie­le bei­tra­gen.“

Torf­moo­se sind in Deutsch­land sehr sel­ten und daher geschützt. Aus natür­li­chen Bestän­den dür­fen sie auch in klei­nen Men­gen nur unter stren­gen Auf­la­gen ent­nom­men wer­den. „Unse­re Torf­moo­se hin­ge­gen stam­men aus spe­zi­el­len Ver­meh­rungs­flä­chen oder wur­den im Gewächs­haus kul­ti­viert“, erläu­tert Dr. Jan Köb­bing, der als Head of Sustai­na­bi­li­ty Manage­ment für die Torf­moos­kul­ti­vie­rung ver­ant­wort­lich ist. „Daher ste­hen sie in grö­ße­ren Men­gen zur Ver­fü­gung und kön­nen als Impf­ma­te­ri­al für Rena­tu­rie­rungs­pro­jek­te ein­ge­setzt wer­den.“

Seit 2015 pflegt Klasmann-Deilmann groß ange­leg­te Ver­suchs­flä­chen für die Torf­moos-Kul­ti­vie­rung. Der Anbau ver­lief so erfolg­reich, dass nun­mehr eine Spha­gnum-Bank besteht, aus der ver­schie­de­ne Torf­moosar­ten vor allem zu Rena­tu­rie­rungs­zwe­cken ent­nom­men wer­den kön­nen. „Durch das akti­ve Ein­brin­gen der Bul­ten-Torf­moo­se lässt sich die posi­ti­ve Kli­ma­wir­kung wie­der­ver­näss­ter Moo­re schon inner­halb weni­ger Jah­re deut­lich stei­gern“, unter­streicht Jan Köb­bing. „Auch eine hoch­moor­ty­pi­sche Flo­ra und Fau­na ent­wi­ckelt sich deut­lich schnel­ler.“ Her­kömm­li­che Ver­fah­ren der Wie­der­ver­näs­sung hin­ge­gen benö­ti­gen z. T. Jahr­zehn­te, um ver­gleich­ba­re Effek­te zu erzie­len.

Droh­nen­be­flie­gung der Torf­moos­bank Pro­vin­zi­al­moor im Okto­ber 2019

 

Dar­über hin­aus hat sich Klasmann-Deilmann die exklu­si­ven Ver­triebs­rech­te für im Gewächs­haus ver­mehr­te Torf­moo­se gesi­chert. Ende 2019 wur­de ein ent­spre­chen­der Ver­trag mit dem bri­ti­schen Anbie­ter Micro­pro­pa­ga­ti­on Ser­vices Ltd. unter­zeich­net. „Die­ses Impf­ma­te­ri­al nut­zen wir bereits mit gro­ßem Erfolg im eigens ange­leg­ten Moor­be­cken, das unse­re Haupt­ver­wal­tung umrahmt“, so Jan Köb­bing. Auf­grund der Ver­triebs­rech­te – zunächst für Deutsch­land – kön­nen nun auch regio­na­le Moo­se gezielt wei­ter­ver­mehrt wer­den. „Unser Vor­teil ist, dass wir bei kom­men­den Pro­jek­ten nicht in geschütz­te Flä­chen ein­grei­fen müs­sen, son­dern über eige­ne Res­sour­cen ver­fü­gen.“

 

Bert von Seg­gern (Direc­tor Pro­duc­tion & Sustai­na­bi­li­ty), Neal und Bar­ba­ra Wright vom bri­ti­schen Torf­moos-Anbie­ter MPS sowie Mat­thi­as Herm­sen (Geschäfts­füh­rer Klasmann-Deilmann Ser­vice GmbH) und Dr. Jan Köb­bing (Head of Sustai­na­bi­li­ty Manage­ment) bei der Ver­trags­un­ter­zeich­nung.

 

In der nächs­ten Zeit möch­te Klasmann-Deilmann poten­zi­el­le Kun­den in Deutsch­land für eine beschleu­nig­te Hoch­moor-Rena­tu­rie­rung gewin­nen. Unter dem Label „Peat Bog Res­to­ra­ti­on“ wer­den sowohl die Torf­moo­se als auch die damit ver­bun­de­nen Dienst­leis­tun­gen auf den Flä­chen ange­bo­ten.

Im ver­gan­ge­nen Herbst wur­den bei einer Tes­tern­te 2 m³ gesam­melt, die für den Bota­ni­schen Gar­ten der Uni­ver­si­tät Hei­del­berg bestimmt waren. Dort will man im klei­nen Maß­stab ein leben­di­ges Moor anle­gen und zählt auf die zügi­gen Wachs­tums­er­fol­ge mit den Torf­moo­sen von Klasmann-Deilmann. Für die­ses Früh­jahr ist eine Ern­te von 15m³ Torf­moo­sen geplant, die bei einem wei­te­ren For­schungs­pro­jekt im Land­kreis Diep­holz zum Ein­satz kom­men wer­den. „Das ist der Start­schuss für unse­re Akti­vi­tä­ten in der Torf­moos-Rena­tu­rie­rung,“ so Moritz Böcking. „Wir haben ein groß­ar­ti­ges Pro­dukt und wer­den nen­nens­wert zum Natur- und Kli­ma­schutz bei­tra­gen.“

Bei der Bio­öko­no­mie-Akti­ons­wo­che „Bio­na­le“ im Sep­tem­ber 2019 in Han­no­ver war der Nie­der­säch­si­sche Umwelt­mi­nis­ter Olaf Lies zu Gast und infor­mier­te sich u. a. über die Torf­moos-Rena­tu­rie­rung von Klasmann-Deilmann.