Kompetenzen

12.03.2026
Annette Schindler

Biochar skalieren: Welche Rolle der Gartenbau spielen kann

Klasmann-Deilmann beim Global Biochar Commercialisation Summit in London

Anfang März 2026 trafen sich in London internationale Expertinnen und Experten aus Industrie, Technologie, Finanzierung und Wissenschaft zum Global Biochar Commercialisation Summit. Ziel der erstmals veranstalteten Konferenz war es, Wege zu finden, wie sich die Produktion und Anwendung von Pflanzenkohle weltweit skalieren lässt.

Für Klasmann-Deilmann nahm Dr. Sebastian Kipp an der Veranstaltung teil und diskutierte im Rahmen der Opening Panel Discussion, welche Voraussetzungen Unternehmen benötigen, um Pflanzenkohle in größerem Maßstab einsetzen zu können.

Biochar als Baustein für dauerhafte Kohlenstoffbindung

Pflanzenkohle gilt als eine vielversprechende Technologie zur dauerhaften Bindung von Kohlenstoff. Während viele Klimastrategien auf die Reduktion von Emissionen abzielen, ermöglicht Biochar, CO₂ langfristig aus der Atmosphäre zu entfernen.

Die Skalierung dieser Technologie ist jedoch komplex. Die Wertschöpfungskette umfasst zahlreiche Akteure, von Biochar-Produzenten und Energieunternehmen über Projektentwickler bis hin zu Käufern von CO₂-Zertifikaten.

Entscheidend ist dabei, dass die Pflanzenkohle tatsächlich in einer dauerhaften Kohlenstoffsenke landet. Erst wenn diese Bedingung erfüllt ist, können CO₂-Zertifikate generiert und gehandelt werden.

Der Gartenbau als bislang unterschätzter Akteur

In vielen Diskussionen wird Biochar vor allem im Kontext der Landwirtschaft betrachtet. Der professionelle Gartenbau spielt bislang eine deutlich geringere Rolle in der Wahrnehmung der Branche. Genau hier konnte Klasmann-Deilmann beim Summit eine neue Perspektive einbringen.

„Wir gehören zu den wenigen Unternehmen, die Pflanzenkohle tatsächlich funktional einsetzen können, nämlich als Bestandteil von Substraten“, erläutert Sebastian Kipp. „Über unsere Wertschöpfungskette gelangt die Pflanzenkohle schließlich in den Boden und wird dort langfristig gebunden.“

Großes Interesse an potenziellen Abnehmern

Die Perspektive eines industriellen Anwenders stieß auf großes Interesse bei den Teilnehmenden des Summits. „Nachdem wir erklärt haben, welche Mengen theoretisch über Substrate eingesetzt werden könnten, war das Interesse sehr groß“, berichtet Sebastian Kipp. Zahlreiche Gespräche mit Produzenten und Projektentwicklern zeigten, dass verlässliche Off-Taker eine wichtige Voraussetzung sind, um neue Produktionskapazitäten aufzubauen.

Rohstoffe und globale Lieferketten

Ein weiteres zentrales Thema der Konferenz war die Frage nach geeigneten biogenen Rohstoffen für die Biochar-Produktion. Häufig werden derzeit Holzhackschnitzel eingesetzt, die jedoch vergleichsweise teuer sind.

Daher wird verstärkt über die Nutzung bislang wenig genutzter biogener Reststoffe diskutiert. Besonders in Regionen wie Afrika oder Indien stehen große Mengen entsprechender Biomasse zur Verfügung. Eine stärkere Nutzung dieser Ressourcen könnte langfristig die Produktionskosten senken und neue internationale Produktionsstrukturen ermöglichen.

Perspektiven für den Einsatz im Substratbereich

Klasmann-Deilmann arbeitet daran, den Einsatz von Pflanzenkohle in Kultursubstraten weiter auszubauen. Aktuell laufen Versuche mit größeren Mengen TerraCoal in Substraten für Gemüsejungpflanzen. Gleichzeitig wird das Lieferantennetzwerk erweitert, um langfristig stabile und möglichst regionale Lieferketten aufzubauen.

Die Gespräche in London haben gezeigt, dass der Gartenbau künftig eine wichtige Rolle in der Biochar-Wertschöpfungskette spielen kann. Durch den Einsatz in Substraten entsteht eine Verbindung zwischen Biochar-Produktion und landwirtschaftlicher Anwendung – und damit ein zusätzlicher Weg, Kohlenstoff langfristig zu binden.

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