Kompetenzen

15.07.2026
Annette Schindler

Mit dem Wasser verändert sich der Anbau

Wie sich Gärtner in Marokko an eine neue Wasserrealität anpassen

Jahrzehntelang wurde Wasser als selbstverständlich betrachtet. Die Gartenbaubetriebe konzentrierten sich auf die Auswahl der Kulturen, die Erträge, die Pflanzengesundheit und die Marktforderungen. Heute ist Wasser jedoch selbst zu einem der entscheidenden Faktoren im Gartenbau geworden.

In Regionen wie Souss-Massa in Marokko beispielsweise, wo der Anbau von Beerenobst und Gemüse eine Schlüsselrolle in der lokalen Wirtschaft spielt, haben Wasserknappheit und sinkende Wasserqualität die Denkweise der Gärtner in Bezug auf die Produktion grundlegend verändert.

blank

Lhassan Housni, Technischer Leiter bei CASEM im Süden Marokkos, erklärt: „Es geht um die Kosten und die weltweite Verfügbarkeit von Wasser für bestehende Betriebe, zukünftige Erweiterungen und die Menschen.“

Seine Aussage verdeutlicht eine Herausforderung, die weit über den Gartenbau hinausgeht. Wasser ist nicht mehr nur ein Produktionsfaktor. Es ist zu einer gemeinsamen Ressource geworden, die Gartenbaubetrieben, einer wachsenden Bevölkerung und der zukünftigen wirtschaftlichen Entwicklung gleichermaßen dienen muss. Seit Jahrzehnten arbeiten CASEM und Klasmann-Deilmann eng zusammen, um Substrate an die sich wandelnden Bedürfnisse marokkanischer Gartenbaubetriebe anzupassen. Heute konzentriert sich diese Zusammenarbeit zunehmend darauf, Gärtnern dabei zu helfen, auf Wasserknappheit, steigende Wasserkosten und sich ändernde Bewässerungsanforderungen zu reagieren.

Entsalzung: Eine Lösung, die neue Herausforderungen mit sich bringt

Um eine verlässliche Wasserversorgung zu gewährleisten, haben viele Gartenbaubetriebe in der Region Agadir in Entsalzungsanlagen investiert. Parallel dazu wurde eine große öffentliche Meerwasserentsalzungsanlage gebaut, um die landwirtschaftliche Produktion und die häusliche Wasserversorgung zu unterstützen.

Diese lokale Entwicklung ist Teil einer umfassenderen nationalen Strategie. Marokko hat in den letzten Jahren massiv in die Entsalzungsinfrastruktur investiert und plant, künftig einen erheblichen Teil seines Trinkwassers aus dem Meer zu gewinnen. Laut CNN betrachten politische Entscheidungsträger Dürren zunehmend als langfristigen strukturellen Wandel, der neue Ansätze in der Wasserführung erfordert, und nicht als vorübergehendes Phänomen. [1]

Auf den ersten Blick scheint die Meerwasserentsalzung das Problem zu lösen. Doch die Realität ist komplexer. Einerseits verbessert die Meerwasserentsalzung die Verfügbarkeit von Wasser, andererseits werden die Produktionskosten jedoch erheblich erhöht. Darüber hinaus erfordert sie eine vollständige Umstellung der Kulturstrategie.

Jeder Tropfen zählt

blank

Da Wasser immer teurer wird, legen Betriebe zunehmend Wert auf effiziente Bewässerung. Herkömmliche Bewässerungsstrategien basierten oft auf relativ hohen Bewässerungsmengen und Drainageraten, um stabile Bedingungen im Wurzelbereich aufrechtzuerhalten. Unter den derzeitigen Rahmenbedingungen lässt sich dieser Ansatz jedoch nur schwer wirtschaftlich rechtfertigen.

Housni erklärt das heutige Ziel wie folgt: „Unsere Idee ist es, Substrate zu entwickeln, die mehr Wasser speichern können, und unsere Kunden dazu anzuregen, ihre Bewässerungs- und Düngungspraktiken anzupassen. Das Ziel ist es, den Wasserverbrauch effizienter zu gestalten und die Kosten so gering wie möglich zu halten.“

In der Praxis kann dies bedeuten, größere Bewässerungsmengen in längeren Abständen auszubringen und gleichzeitig die Verluste beim Drainageabfluss zu reduzieren – eine erhebliche Abkehr von traditionellen Bewässerungsstrategien.

blank

Die Umsetzung solcher Strategien ist jedoch nicht ganz einfach. Entsalztes Wasser wirft neue betriebswirtschaftliche Fragen auf, darunter die Behandlung von Reststoffen wie Bor (abhängig von der Wahl der Umkehr-Osmosemembran) und die Notwendigkeit angepasster Dünger-Strategien.

 

„Das Problem ist vielschichtig. Daher besteht die Lösung nicht nur darin, ein neues Produkt einzuführen, sondern auch darin, über das entsprechende Know-how zu verfügen, um es richtig einzusetzen“, sagt Anja Fritzen, technische Beraterin bei Klasmann-Deilmann.

Bewässerungsstrategien, Dünger-Strategien und Systeme für den Abfluss müssen möglicherweise angepasst werden. Das Zusammenspiel zwischen Wasserqualität, Anbaumethoden und Substratleistung gewinnt zunehmend an Bedeutung.

Die technischen Teams von Klasmann-Deilmann arbeiten eng mit Gärtnern und Partnern wie CASEM zusammen, um zu evaluieren, wie die Substratzusammensetzung, das Wasserrückhaltevermögen und die Bewässerungsstrategien an diese neuen Bedingungen angepasst werden können.

„Wir befinden uns noch in der Entwicklungsphase“, erklärt Jean Roudier, Projektleiter bei Klasmann-Deilmann France. „Im Land laufen derzeit Versuche. Wir müssen die Theorie noch verfeinern und an die tägliche Praxis anpassen.“

Marokko ist zwar ein besonders anschauliches Beispiel, doch diese Herausforderung ist keineswegs einzigartig. Wasserknappheit, steigende Wasserkosten und eine sich verändernde Wasserqualität werden in vielen Regionen des Gartenbaus weltweit zur Realität. [2]

Die Erfahrungen in Marokko zeigen, dass die Anpassung an Wasserknappheit nicht allein durch die Installation einer Entsalzungsanlage oder die Einführung neuer Substrate zu erreichen ist. Sie erfordert technisches Fachwissen, lokale Kenntnisse und eine enge Zusammenarbeit zwischen Gärtnern und Industriepartnern.

Da Wasser immer wertvoller wird, könnten sich diese Partnerschaften als ebenso wichtig erweisen wie das Wasser selbst.

 

Quellenangaben

[1] CNN. Morocco’s desalination strategy: A blueprint for Africa? 2026. Reported by CNN and referenced in coverage of Morocco’s national desalination strategy.
Morocco’s desalination strategy: A blueprint for Africa? | CNN

[2] FAO (Food and Agriculture Organization of the United Nations). The State of the World’s Land and Water Resources for Food and Agriculture – Systems at Breaking Point (SOLAW 2021). Rome: FAO, 2021. Available at: https://openknowledge.fao.org/server/api/core/bitstreams/ecb51a59-ac4d-407a-80de-c7d6c3e15fcc/content

blank