Unternehmen

16.04.2026
Annette Schindler

Letzter Zug nach Schöninghsdorf

Hundertjährige Epoche endet mit Feierstunde

Mitte April fand ein für Klasmann-Deilmann historisches Ereignis am Fabrikstandort Schöninghsdorf statt: Zum allerletzten Mal fuhr ein Zug mit Schwarztorf aus den lokalen Flächen in unsere Fabrik ein. Damit endete eine einhundertjährige Geschichte: Mit dem Torf aus dem Emsland ist unser Unternehmen groß geworden, doch nun sind die hiesigen Ressourcen erschöpft.

Dieser bewegende Moment wurde im Rahmen einer kleinen Feierstunde gewürdigt. Neben Jannis Staelberg und Matthias Hermsen als Geschäftsführer der Produktionsgesellschaft Süd waren auch Geschäftsführer Damian Ikemann und die Twister Bürgermeisterin Petra Lübbers gekommen, um die Einfahrt des Zuges in die Fabrik zu begleiten und den letzten Schwarztorf gebührend in Empfang nehmen. Ehrengäste waren unsere Gesellschafter Jochen Brandewiede, Petra Altevers und Bernhard Altevers.

Von besonderer Bedeutung aber war der Augenblick für unser Team Schöninghsdorf, das den Gewinnungs- und Produktionsstandort jahrzehntelang zu einem sicheren Erfolgsfaktor für Klasmann-Deilmann gemacht hatte. Und so galt auch der Applaus nicht nur der letzten Bahn, sondern vor allem dem Team.

Damian Ikemann würdigte die Bedeutung des Standortes für die Region: „Angesichts dieses historischen Tages und dieser letzten Bahn wird uns noch einmal bewusst, wie sehr uns die Gleise, die Loren und der Rohstoff miteinander verbunden haben. Die Moorbahn war das Bindeglied zwischen Klasmann-Deilmann, den hier beschäftigten Kolleginnen und Kollegen, der Natur mit ihren reichen Schätzen, unser Heimatregion Emsland und der politischen Gemeinde Schöninghsdorf. Unser Dank gilt den Männern und Frauen, die uns über viele Jahre hinweg die Treue gehalten haben und quasi bis zum letzten „Zug“ geblieben sind. Ihr wart für unser Unternehmen und für zahlreiche Gartenbaubetriebe ein echter Gewinn. Ohne Euch wäre Klasmann-Deilmann nicht das, was es in den letzten 100 Jahren gewesen ist: ein verlässlicher Partner für unsere Kunden, Lieferanten und auch die Gemeinde. Unser Dank gilt ebenso der Gemeinde Schöninghsdorf, die für viele Jahrzehnte unsere Gastgeberin war und vertrauensvoll mit uns zusammengearbeitet hat.“

Matthias Hermsen erinnerte in seinem Grußwort noch einmal an die lange Geschichte des Standortes: „Die früheren Heseper Torfwerke übernahmen diesen Standort in den 1920er Jahren. Damals lagen bereits fünfzig Jahre Torfgewinnung hinter dem Werk. Torf, Schöninghsdorf und Klasmann-Deilmann waren lange Zeit untrennbar miteinander verbunden. Schöninghsdorf wird es weiterhin geben, Klasmann-Deilmann wird es weiterhin geben und die ehemaligen Gewinnungsflächen werden wiedervernässt. Der heutige Tag markiert das Ende einer langen Geschichte, doch er weist ebenso in die Zukunft – die Geschichte für Gemeinde, Unternehmen und Natur wird weitergehen.“

Jannis Staelberg ging auf den wertvollen Humintorf ein: „Schöninghsdorf – das war nicht einfach Torf. Unser Werk in Schöninghsdorf bedeutete einen besonderen Rohstoff, der zu Kultursubstraten veredelt wurde und unverpackt in ganzen LKW-Ladungen an die Gartenbaubetriebe vor allem in Nordwestdeutschland geliefert wurde. Schöninghsdorf bedeutete Humintorf, durchfrorenen Schwarztorf, der insbesondere für den Anbau von Gemüse und Kräutern begehrt war. Im weitesten Sinne zählte dieser Standort zur Wertschöpfungskette der Ernährungswirtschaft. Bei aller Kritik an der Torfgewinnung hat uns dieses Bewusstsein getragen, dass aus unseren Produkten etwas Gutes und Sinnvolles entstand.“

Auch Bürgermeisterin Petra Lübbers bedankte sich im Namen der Gemeinde für das lange und gute Miteinander: „Nach 150 Jahren enden hier der Torfabbau und eine Epoche, die die ehemalige Gemeinde Schöninghsdorf und heute die Gemeinde Twist über Generationen hinweg prägte. Die zurückliegenden Jahrzehnte veränderten nicht nur unsere Landschaft, sondern gestalteten auch unsere Identität. Aus den Gewinnungsflächen entstanden landwirtschaftliche Flächen und in den letzten Jahren renaturierte Moorlandschaften, wertvolle Lebensräume, die zeigen, dass Wandel auch neue Chancen birgt.

Unser Dank gilt Klasmann-Deilmann als verlässlicher Arbeitgeber. Viele Familien konnten sich deshalb hier ihre Existenz aufbauen. Zahlreiche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erwarben hier ihre Grundstücke, bauten Häuser und sind tief in unserer Gemeinde verwurzelt. Diese Verbundenheit ist ein Fundament, auf dem unser Gemeindeleben bis heute steht.“

Noch bis zum Sommer wird der Standort weiter betrieben, bevor sich die Tore für immer schließen. Dann beginnt der Rückbau von Gleisen, Maschinen und Gebäuden sowie die Wiedervernässung der letzten Flächen. Am Ende bleibt ein großes Areal, das dauerhaft dem Natur- und Klimaschutz zur Verfügung steht.

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