Kompetenzen

02.08.2017
Hermann Limbers

Spe­zi­al­sub­stra­te für Kul­tur­hei­del­bee­ren

Es ist wie­der Hei­del­beer­sai­son. Jetzt kön­nen die klei­nen, blau­en Früch­te, die zudem sehr gesund sind, geern­tet wer­den. Wis­sens­wer­tes zur Kul­tur von Hei­del­bee­ren und hilf­rei­che Tipps kön­nen Sie in die­sem Arti­kel nach­le­sen.

In den letz­ten Jah­ren hat sich die Hei­del­bee­re zu einer ren­ta­blen Son­der­kul­tur mit wach­sen­dem Markt­po­ten­ti­al ent­wi­ckelt, da der Ver­zehr ste­tig steigt. Ins­be­son­de­re bei Con­tai­ner­kul­tur­sys­te­men gewin­nen Hei­del­bee­ren immer mehr an Bedeu­tung. Sie wer­den in Gewächs­häu­sern und Plas­tik­tun­neln sowie im Frei­land ange­pflanzt, daher hat die Ver­wen­dung von Kul­tur­sub­stra­ten auf Torf­ba­sis stark zuge­nom­men.

Von gro­ßer Bedeu­tung für den heu­ti­gen Pro­duk­ti­ons­gar­ten­bau sind die Hei­del­beer­sor­ten Vac­ci­ni­um corym­bo­s­um, die soge­nann­te ame­ri­ka­ni­sche Hei­del­bee­re, sowie die Rab­bi­teye (Vac­ci­ni­um ashei) und die Sou­thern High­bush Blu­e­ber­ry (Vac­ci­ni­um corym­bo­s­um x Vac­ci­ni­um ashei).

Der natür­li­che Lebens­raum von Hei­del­bee­ren sind sau­re Wäl­der und Moor­ge­bie­te. Aus die­sem Grund haben die Pflan­zen spe­zi­fi­sche Anfor­de­run­gen an die Boden­be­schaf­fen­heit:

  • pH-Wert (CaCl2) von 3,8 – 4,5, Gehalt an orga­ni­scher Sub­stanz von 4 – 8 Gewichts­pro­zent
  • hoher Anteil an luft­ge­füll­ten Poren, da Hei­del­beer­pflan­zen emp­find­lich auf Stau­näs­se reagie­ren
  • zur Ver­bes­se­rung der Nähr­stoff­auf­nah­me wach­sen Hei­del­bee­ren in Sym­bio­se mit Mykorr­hiza­pil­zen und Bak­te­ri­en; Torf för­dert die­se Sym­bio­se nach­weis­lich

 

Vor­tei­le von Torf in der Hei­del­beer­kul­tur:

  • Torf ent­spricht der natür­li­chen Boden­be­schaf­fen­heit für Hei­del­bee­ren
  • nied­ri­ger pH-Wert und gerin­ger Kalk­ge­halt
  • Äußerst homo­ge­ne Was­ser­ver­sor­gung, hohe Was­ser­spei­cher­fä­hig­keit
  • Hohe Luft­ka­pa­zi­tät und Drai­na­ge

 

Spe­zi­al­sub­stra­te für ver­schie­de­ne Kul­tur­pha­sen

  1. Ver­meh­rung

Für die Bewur­ze­lung von Steck­lin­gen in Trays, Käs­ten und Töp­fen eig­net sich eine Mischung aus Hoch­moortorf, Per­li­te und/ oder Sand. Das Sub­strat benö­tigt einen pH-Wert (CaCl2) von 3,8 – 4,5, zusätz­lich Spu­ren­ele­men­te, dafür aber in die­ser Pha­se kei­nen NPK-Dün­ger. Die Bewur­ze­lungs­pha­se ver­läuft in Abhän­gig­keit von der Sor­te über einen Zeit­raum von 8 – 15 Wochen.

  1. Wei­ter­kul­tur – Umtop­fen in Con­tai­ner

Die bewur­zel­ten Steck­lin­ge wer­den aus den Trays oder Töp­fen in 2- bis 5‑Li­ter-Con­tai­ner oder Plas­tik­beu­tel umge­topft. Hier­für emp­foh­le­ne Sub­stra­te bestehen aus einer Mischung aus Weiß­torf mitt­le­rer Struk­tur, Soden­torf­frak­tio­nen, GreenFibre-Holz­fa­sern und was­ser­lös­li­chem NPK-Dün­ger mit Spu­ren­ele­men­ten. Eine flüs­si­ge Nach­dün­gung oder die Ver­wen­dung von Lang­zeit­dün­gern ist zusätz­lich not­wen­dig.

  1. Kul­tur­sys­te­me

Bei der Anla­ge neu­er Pflan­zun­gen bzw. Plan­ta­gen wer­den zwei bis drei Jah­re alte Baum­schul­pflan­zen ver­wen­det.

Kul­tur­sys­te­me:

  • Gra­ben­sys­tem: Für die­ses tra­di­tio­nel­le Kul­tur­sys­tem wird ein Gra­ben mit einer Brei­te von 80 bis 100 Zen­ti­me­tern und einer Tie­fe von 40 Zen­ti­me­tern aus­ge­ho­ben und mit Weiß­torf oder einem vor­ge­misch­ten Sub­strat auf Torf­ba­sis auf­ge­füllt. Beim Gra­ben­sys­tem erfolgt die Pflan­zung in der Regel im Herbst.
  • Damm­sys­tem: Bei die­sem Ver­fah­ren wird eine Sub­strat­schicht mit einer Höhe von 80 Zen­ti­me­tern auf den vor­han­de­nen Ober­bo­den auf­ge­schich­tet. Die Däm­me müs­sen rela­tiv oft und regel­mä­ßig bewäs­sert wer­den, da sie schnel­ler aus­trock­nen kön­nen. Der Vor­teil des Damm­sys­tems liegt dar­in, dass das Sub­strat sich schnel­ler erwärmt und dadurch die Ern­te frü­her beginnt.
  • Con­tai­ner­kul­tur: Die­ses Kul­tur­sys­tem ist rein sub­strat­ba­siert. Für die Gewächs­haus­kul­tur eig­nen sich Con­tai­ner­grö­ßen von 25 Litern. Für die Frei­land­er­zeu­gung wer­den Con­tai­ner mit einem Volu­men von 80 bis 100 Litern ein­ge­setzt.

 

  1. Zusam­men­set­zung geeig­ne­ter Kul­tur­sub­stra­te

Bei den Kul­tur­sys­te­men wie Gra­ben- und Damm­kul­tur wird in der Regel ein rei­ner Torf bzw. ein Sub­strat auf Torf­ba­sis ver­wen­det. Sehr gute Pra­xis­er­geb­nis­se haben Sub­stra­te mit einem Anteil von 25 Volu­men­pro­zent GreenFibre gezeigt.

Bei der Kul­tur in Con­tai­ner­sys­te­men wer­den in der Regel Sub­stra­te auf Torf­ba­sis in gro­ber Struk­tur ein­ge­setzt. Auch hier emp­fiehlt sich ein Anteil von 25 Volu­men­pro­zent GreenFibre, die Holz­fa­sern opti­mie­ren die Drai­na­ge und för­dern die Sym­bio­se mit Mykorr­hiza­pil­zen.

Wann wel­ches Sub­strat?

Für die Hei­del­beer­kul­tur emp­feh­len wir fol­gen­de Sub­stra­te:

Ver­meh­rung

  • Lit­hua­ni­an Peat Moss fein, Rezep­tur-Nr. 930
  • TS 1 medi­um „Blau­beer Anzucht“, Rezep­tur-Nr. 382

 

Wei­ter­kul­tur in Con­tai­nern und Plan­ta­gen

  • Lit­hua­ni­an Peat Moss grob, Rezep­tur-Nr. 932
  • TS 4 medi­um „Blau­bee­ren“, Rezep­tur-Nr. 383
  • Con­tai­ner­sub­strat 2 grob „Blau­bee­ren“, Rezep­tur-Nr. 389
  • TS 4 grob „Blau­bee­ren“ + GreenFibre, Rezep­tur-Nr. 385
  • TS 4 grob „Blau­bee­ren“ mit Per­li­te + GreenFibre, Rezep­tur-Nr. 391

 

Dün­gung in Con­tai­ner­kul­tu­ren

Bei der Con­tai­ner­kul­tur ist eine regel­mä­ßi­ge flüs­si­ge Nach­dün­gung üblich. Eine nied­ri­ge Kon­zen­tra­ti­on eines was­ser­lös­li­chen NPK-Dün­gers mit Haupt- und Spu­ren­nähr­stof­fen wird wäh­rend der gesam­ten Vege­ta­ti­ons­pe­ri­ode in regel­mä­ßi­gen Abstän­den ver­ab­reicht. Zusätz­lich gewähr­leis­tet eine Grund­dün­gung mit Lang­zeit­dün­gern wie Osmo­cote oder Basa­cote eine opti­ma­le Nähr­stoff­ver­sor­gung auch bei star­kem Nie­der­schlag. Zusätz­lich ist es mög­lich, im Früh­jahr eine Nach­dün­gung als Top­dres­sing zu geben. Hier­für wer­den 30 Gramm Lang­zeit­dün­ger mit einer Lauf­zeit von 5 bis 6 Mona­ten je Pflan­ze auf der Sub­stratober­flä­che aus­ge­bracht.