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19.11.2018
Kim Karotki

Mit 16 ent­schei­den wie Mana­ger

Wirt­schafts­plan­spiel für Schü­le­rin­nen und Schü­ler bei Klasmann-Deilmann

Wel­che Ent­schei­dun­gen müs­sen Mana­ger täg­lich tref­fen und war­um? Das konn­ten Schü­le­rin­nen und Schü­ler des Wind­thorst-Gym­na­si­ums Mep­pen jetzt eine Woche lang nach­emp­fin­den. In unse­rem Inno­va­ti­on Cen­ter in Gees­te nah­men sie am Manage­ment Infor­ma­ti­on Game (MIG) unter der Lei­tung des Bil­dungs­werks der Nie­der­säch­si­schen Wirt­schaft teil. Dies bot Gele­gen­heit, auch kom­ple­xe­re wirt­schaft­li­che Zusam­men­hän­ge zu ver­ste­hen.

Schü­le­rin­nen und Schü­ler schrei­ben eif­rig mit, als Tho­mas Kühn vom Bil­dungs­werk der Nie­der­säch­si­schen Wirt­schaft gGmbH (BNW) die Wachs­tums­pro­gno­sen für das kom­men­de Quar­tal ansagt. Der Bil­dungs­re­fe­rent und MIG-Plan­spiel­lei­ter weist auf die Ent­wick­lung der Löh­ne in der Bran­che hin und ergänzt, dass auf­grund der gestie­ge­nen Sprit­prei­se die Trans­port­kos­ten um fünf Pro­zent ange­ho­ben wur­den. Die­se Para­me­ter gilt es zu berück­sich­ti­gen, als die Elft­kläss­ler an ihrem zwei­ten Tag des Wirt­schafts­plan­spiels die Auf­ga­be erhal­ten, ein Ange­bot für den fik­ti­ven „Elek­tro­markt“ zu erar­bei­ten. Die­ser stellt in Aus­sicht, als Exklu­siv-Ver­tre­ter das neu ent­wi­ckel­te Pro­dukt zu ver­trei­ben, knüpft dar­an aber eine Rei­he von For­de­run­gen. Damit steht das Ziel fest ‑ drei kon­kur­rie­ren­de Teams machen sich an die Arbeit.

Beim Manage­ment Infor­ma­ti­on Game (MIG) geht es dar­um, dass Schü­le­rin­nen und Schü­ler sich mit den viel­fäl­ti­gen Wech­sel­wir­kun­gen zwi­schen Ein­zel­un­ter­neh­men und der Gesamt­wirt­schaft aus­ein­an­der­set­zen. Volks- und betriebs­wirt­schaft­li­che Zusam­men­hän­ge wer­den ihnen in Impuls-Vor­trä­gen erklärt, bevor sie die­se in der Grup­pen­ar­beit anwen­den und sich als Ent­schei­der in Unter­neh­men aus­pro­bie­ren kön­nen.

Und am Abend des vier­ten Tages die­ser wirk­lich for­dern­den Woche muss­ten sich die Schü­le­rin­nen und Schü­ler in die­ser Rol­le auch bewei­sen. Vor einem Publi­kum von etwa 70 Per­so­nen prä­sen­tier­te jede Grup­pe ihr Pro­dukt. Das Publi­kum, bestehend aus den Eltern der Schü­le­rin­nen und Schü­ler sowie Ver­tre­te­rin­nen von Klasmann-Deilmann, dem Rota­ry Club Mep­pen, dem Indus­tri­el­len Arbeit­ge­ber­ver­band Osna­brück ‑ Ems­land ‑ Graf­schaft Bent­heim und dem Wind­thorst-Gym­na­si­um Mep­pen, reprä­sen­tier­te den „Elek­tro­markt“. Sie alle gaben am Ende Stim­men ab, um einen Sie­ger bzw. das Unter­neh­men, das den Zuschlag erhält, zu ermit­teln.

Ich war wirk­lich sehr auf­ge­regt, vor einer so gro­ßen Grup­pe zu spre­chen, mit Men­schen, von denen ich die meis­ten nicht ken­ne und die alle deut­lich älter sind als ich“, erzähl­te Vin­cent Kreutz­mann im Inter­view. „Dar­an kann man nur wach­sen, sei­ne Angst zu über­win­den. Ich habe vie­le der Fra­gen aus dem Publi­kum beant­wor­tet, aber durch die Grup­pe war ich gut vor­be­rei­tet“, sagt der 16-jäh­ri­ge „Vor­stands­vor­sit­zen­de“ sei­nes Unter­neh­mens. „So hat­te ich genug Hin­ter­grund­wis­sen, um auch spon­tan reagie­ren zu kön­nen.“ Celi­na Nedow ergänz­te: „Jeder hat­te sei­ne Auf­ga­ben. Jeder war gleich wich­tig. Dadurch war die Team­ar­beit viel inten­si­ver und auch pra­xis­nä­her als das in der Grup­pen­ar­beit in der Schu­le oft der Fall ist.“

Auch der Lern­ort­wech­sel war für die Schü­le­rin­nen und Schü­ler eine wich­ti­ge Erfah­rung. „Es war inter­es­sant zu sehen, wie es in einem Unter­neh­mens­ge­bäu­de aus­sieht. Man bekommt so ein Gefühl dafür, wie es spä­ter mal sein wird“, meint Sophie Stepp­uhn. Gesa-Marie Anne­ken sag­te: „In der Schu­le wäre das Pro­jekt nicht so inten­siv gewe­sen. Dort ist man oft abge­lenkt, hier haben wir zusätz­lich Ein­blick in den Betrieb bekom­men.“ Das fin­det auch Kevin John­son: „Dass man in einem Umfeld ist, das zum MIG passt, macht sehr viel aus. Außer­dem muss­ten wir die gesam­te Grup­pen­ar­beit selbst pla­nen und orga­ni­sie­ren. Auch für die Prä­sen­ta­ti­on muss­te alles koor­di­niert wer­den. Die gesam­te Koor­di­na­ti­on über­nimmt in der Schu­le meis­tens der Leh­rer.“

Der Ein­blick in wirt­schaft­li­ches und unter­neh­me­ri­sches Han­deln kann auch für die Berufs­ori­en­tie­rung hilf­reich sein. Han­nah Schä­rich sag­te: „Ich habe immer gesagt, dass ich mir nicht vor­stel­len kann, im Büro zu arbei­ten. Jetzt war ich aber zustän­dig für die Zah­len und habe plötz­lich gemerkt, dass das gar nicht ein­tö­nig ist und ich mir das jetzt doch sehr gut für mich vor­stel­len kann.“

Natür­lich geht es nicht dar­um, dass spä­ter alle Schü­le­rin­nen und Schü­ler BWL stu­die­ren. Aber es ist wich­tig, dass sie ver­ste­hen, wie Wirt­schaft funk­tio­niert. Wenn sie bei­spiels­wei­se etwas in der Zei­tung lesen, kön­nen sie das jetzt bes­ser ein­ord­nen“, erklär­te Dani­el Albers, Wirt­schafts­leh­rer am Wind­thorst-Gym­na­si­um. „Wirt­schaft ist in Nie­der­sach­sen noch ein rela­tiv neu­es Fach an der Schu­le. Das Wirt­schafts­plan­spiel ist eine sehr gute Ergän­zung zum Unter­richt, weil die Schü­ler teils sehr kom­ple­xe wirt­schaft­li­che Zusam­men­hän­ge durch ihre eige­nen Erfah­run­gen viel leich­ter auf­neh­men. Außer­dem muss­ten sie etwas prä­sen­tie­ren, sich selbst vor einer gro­ßen Grup­pe dar­stel­len, Ergeb­nis­se voll­kom­men selbst­stän­dig erar­bei­ten ‑ und das ist ja genau das, was wir möch­ten, die Schü­le­rin­nen und Schü­ler zum selbst­stän­di­gen Men­schen zu bil­den.“

Klasmann-Deilmann trat bereits öfters als Gast­ge­ber für MIG auf, das letz­te Mal im Som­mer 2014. „Nach­dem unse­re Bau­maß­nah­men zum Abschluss gekom­men sind und wir in unse­rem Inno­va­ti­on Cen­ter in Gees­te über völ­lig neue räum­li­che Mög­lich­kei­ten ver­fü­gen, war für uns klar, dass wir wie­der das Wirt­schafts­plan­spiel unter­stüt­zen wür­den“, sag­te Moritz Böcking, Geschäfts­füh­rer der Klasmann-Deilmann GmbH. „Unse­re Aca­de­my, das Herz­stück unse­res Inno­va­ti­on Cen­ters ist auch für uns der Ort, an dem wir ler­nen möch­ten. Des­halb freu­en wir uns, dass wir in Zusam­men­ar­beit mit Schu­len, auch einen Lern­ort für Schü­le­rin­nen und Schü­ler bereit­stel­len konn­ten. Die­se jun­gen Men­schen sind der Nach­wuchs von mor­gen. Sie sind unse­re Zukunft.“

Geför­dert wur­de die Ver­an­stal­tungs­wo­che vom Rota­ry Club Mep­pen. Wis­sen­sin­put beka­men die Schü­le­rin­nen und Schü­ler außer­dem von Fach­leu­ten ver­schie­de­ner Unter­neh­men aus der Regi­on wie Bar­mer Mep­pen, david uk Unter­neh­mens­kom­mu­ni­ka­ti­on, der Ems­län­di­schen Volks­bank sowie der Steu­er­be­ra­tungs­ge­sell­schaft Hein­rich von Basum.