Karriere

16.12.2015
Kim Karotki

Heinz Post: „Reiz­voll, den Wan­del mit­zu­ge­stal­ten“

Jubi­la­re bei Klasmann-Deilmann

40 Jah­re bei Klasmann-Deilmann – das kön­nen seit 2015 elf wei­te­re treue Mit­ar­bei­ter stolz von sich behaup­ten: Her­mann-Josef Bru­na, Heinz Hes­sel, Albert Jans­sen, Bir­git Kui­te, Ger­hard Mey­er, Jose-Luis Nie­to-Perez, Heinz Post, Bert von Seg­gern, Heinz Tho­len, Wal­bur­ga Weken­borg und Alfons Wol­ke sind dafür durch unser Unter­neh­men geehrt wor­den. Ich habe unse­ren Jubi­lar Heinz Post zu sei­nen Erfah­run­gen befragt. Im Inter­view schaut er zurück bis ins Jahr 1975 – und nach vorn.

Kim Karotki: Herr Post, Sie arbei­ten bereits seit 40 Jah­ren bei Klasmann-Deilmann. Wie fing alles an?

Heinz Post: Ich bin in Schö­ninghsdorf Süd am Kanal auf­ge­wach­sen. Das „Torf­werk Anna­veen“, heu­te zur Klasmann-Deilmann Pro­duk­ti­ons­ge­sell­schaft Süd gehö­rend, lag qua­si direkt vor unse­rer Haus­tür. Es mögen viel­leicht 300 Meter Luft­li­nie gewe­sen sein. Die meis­ten Nach­barn waren beim Torf­werk beschäf­tigt und haben vom guten Arbeits­kli­ma sowie vom sozia­len Ver­hält­nis des Arbeit­ge­bers zu den Beschäf­tig­ten berich­tet.

Auch mein Vater und mei­ne Mut­ter waren dort tätig. Mut­ter war in den ers­ten Jah­ren für die Torf­bahn-Brü­cke ver­ant­wort­lich, die sie für durch­fah­ren­de Torf­schif­fe per Hand hoch­dre­hen muss­te. Vater arbei­te­te als Maschi­nen­füh­rer in den Torf­ab­bau­fel­dern. Ihm brach­te ich mit­tags das Essen in einem soge­nann­ten „Hän­kel­mann“ nach. Schon als Kind hat­te ich also eini­ge Ein­drü­cke von der Arbeit mit Torf.

1975 war ich 15 Jah­re alt und ein kur­zer Arbeits­weg hilf­reich. Ich wur­de im Torf­werk als Jun­g­ar­bei­ter ein­ge­stellt und durf­te ein hal­bes Jahr spä­ter eine Leh­re als Betriebs­schlos­ser begin­nen. Weil ich die Aus­bil­dungs­zeit um ein hal­bes Jahr ver­kür­zen konn­te, wur­de ich zeit­gleich mit mei­nen alten Schul­ka­me­ra­den fer­tig. In den Jah­ren nach der Aus­bil­dung durch­lief ich vie­le Berei­che, war also im Moor­be­trieb eben­so beschäf­tigt wie in der Werk­statt und in der Pro­duk­ti­on. Hier­durch konn­te ich sehr viel Wis­sen und Erfah­rung sam­meln.

Kim Karotki: Wor­auf sind Sie beson­ders stolz, wenn Sie auf Ihre Zeit bei Klasmann-Deilmann zurück­bli­cken?

Heinz Post: Auf mei­nen Wer­de­gang vom Jun­g­ar­bei­ter über die Aus­bil­dung als Betriebs­schlos­ser und die Meis­ter­schu­le bis hin zum „Lei­ter Moor“ bin ich schon stolz. Die spä­te­re Aus­bil­dung zum „Indus­trie­meis­ter Fach­rich­tung Metall“ begann ich 1987 im Alter von 27 Jah­ren. Sie dau­er­te zwei­ein­halb Jah­re. Zudem habe ich die REFA-Aus­bil­dung 1991 nach einem Jahr erfolg­reich abge­schlos­sen. Bei­de Qua­li­fi­ka­tio­nen erwarb ich nach der Arbeit in der Abend­schu­le. Seit die­sem Zeit­punkt bin ich auch im Prü­fungs­aus­schuss der IHK tätig. Außer­dem bin ich bei Klasmann-Deilmann für die prak­ti­sche Aus­bil­dung zum Bau­ge­rä­te­füh­rer zustän­dig – und die Arbeit mit den jun­gen Leu­ten macht sehr viel Spaß.

Eini­ge Zeit spä­ter, es muss 2001 gewe­sen sein, bekam ich die Stel­le als Feld­meis­ter ange­bo­ten. Mei­ne Auf­ga­be bestand fort­an dar­in, die Ein­tei­lung von Maschi­nen und Per­so­nal in den Abbau­flä­chen zu orga­ni­sie­ren, fer­ner die gefor­der­ten Qua­li­tä­ten und Men­gen in der Roh­stoff­ge­win­nung sicher­zu­stel­len. Schließ­lich über­nahm ich auf­grund einer Erkran­kung des dama­li­gen Moor­meis­ters des­sen Auf­ga­ben und lei­te seit­her das kom­plet­te Gewin­nungs­ge­biet im mitt­le­ren Ems­land. In die­sem Bereich rund um die Wer­ke Groß Hese­pe und Schö­ninghsdorf gewin­nen wir Humin­torf aus gepach­te­ten und eige­nen Flä­chen.

In der Nähe mei­nes Eltern­hau­ses habe ich 1980 selbst Bau­land erwor­ben und dort in viel Eigen­leis­tung mein Haus gebaut. Die Arbeits­we­ge bewäl­ti­ge ich nun jedoch nicht mehr zu Fuß oder per Rad, son­dern mit dem Auto.

Kim Karotki: Was war in all den Jah­ren das prä­gends­te Ereig­nis für Sie? Was ist Ihnen als größ­te Ver­än­de­rung im Unter­neh­men in Erin­ne­rung geblie­ben?

Heinz Post: Zum einen war es der Rück­gang der Weiß­torf­vor­rä­te in den 80er Jah­ren. Die dar­un­ter lie­gen­den Schwarz­tor­f­re­ser­ven brauch­ten – ganz anders als der Weiß­torf – Frost­pe­ri­oden im Win­ter und wur­den auf die­se Wei­se zu Humin­torf ver­ar­bei­tet. Vie­le neue Maschi­nen und Anla­gen muss­ten für die Ver­ede­lung von Humin­torf zu Kul­tur­sub­stra­ten im Unter­neh­men selbst ent­wi­ckelt und gebaut wer­den.

Und zum ande­ren war es der Zusam­men­schluss der Klasmann Wer­ke GmbH mit den Torf­be­trie­ben der C. Deilmann AG im Jahr 1990. Als ech­ter „Klasmann“ war es span­nend zu sehen, wor­an Deilmann arbei­te­te, auf wel­che Wei­se und mit wel­chen Maschi­nen. Bei­de Unter­neh­men nutz­ten für ver­gleich­ba­re Tätig­kei­ten teil­wei­se unter­schied­li­che Tech­ni­ken. Die bes­te setz­te sich dann eben durch, wir ergänz­ten uns gut – oder das gemein­sa­me Know-how führ­te zu Moder­ni­sie­run­gen. Auch die neu­en Gewin­nungs­ge­bie­te von Deilmann im Bereich des Küs­ten­ka­nals in Augen­schein zu neh­men, war inter­es­sant.

Außer­dem war natür­lich die schritt­wei­se Reduk­ti­on der Her­stel­lung von Indus­trie­torf prä­gend. Kurz­zei­tig frag­ten sich man­che von uns, wie es wei­ter­geht. Aber dank der vor­aus­schau­en­den Unter­neh­mens­füh­rung gab es schnell neue Per­spek­ti­ven, sei es im Rah­men der Rena­tu­rie­rung von Gewin­nungs­flä­chen oder durch das Enga­ge­ment im Bereich Erneu­er­ba­re Ener­gi­en und Nach­wach­sen­de Roh­stof­fe.

Kim Karotki: Wie haben sich die Arbeit an sich sowie die Zusam­men­ar­beit im Lauf der Jah­re ver­än­dert?

Heinz Post: Damals war mehr kör­per­li­che Arbeit zu ver­rich­ten. Heu­te lie­gen die Her­aus­for­de­run­gen ganz woan­ders. Die Kol­le­gen, die heu­te auf den Maschi­nen sit­zen, haben viel mit Tech­nik zu tun und benö­ti­gen ent­spre­chen­des Fach­wis­sen. Im Lau­fe der Zeit sind die Maschi­nen moder­ner und teu­rer gewor­den, sie stel­len höhe­re Ansprü­che an die Fähig­kei­ten der­je­ni­gen, die mit ihnen umge­hen. Ver­än­dert hat sich in die­sem Zuge auch die Art der Zusam­men­ar­beit: Wo frü­her vie­le Mit­ar­bei­ter gleich­zei­tig in den Flä­chen tätig waren, ist heu­te meist Ein­zel­ar­beit an der Tages­ord­nung. Der fach­li­che Aus­tausch wird natür­lich wei­ter­hin gepflegt. Erwäh­nens­wert ist die posi­ti­ve Ent­wick­lung in punc­to Arbeits­si­cher­heit. Da hat sich eini­ges getan und sie ist deut­lich bes­ser gewor­den. Was aber nicht bedeu­tet, dass wir uns hier aus­ru­hen dür­fen!

Kim Karotki: Gab es die­sen bestimm­ten Punkt, an dem Sie gesagt haben: „Jetzt blei­be ich das gan­ze Arbeits­le­ben hier“?

Ja, als ich das Ange­bot bekom­men habe, als Füh­rungs­kraft tätig zu wer­den. Das war für mich wie­der eine neue Her­aus­for­de­rung, die ich ger­ne ange­nom­men habe. Umso lie­ber, weil ich mich wei­ter­hin in dem Unter­neh­men bewei­sen kann, in dem mein Berufs­weg als Jugend­li­cher vor der eige­nen Haus­tür begann.

Kim Karotki: Wenn Sie einen Blick in die Zukunft wagen: Was sorgt Sie und wor­auf freu­en Sie sich?

Heinz Post: Für jeman­den, der mit Torf groß gewor­den ist, besteht zwar eine Art Grund­sor­ge, wenn es um das Ende des hie­si­gen Torf­ab­baus geht. Ande­rer­seits treibt Klasmann-Deilmann im Sin­ne des Kli­ma­schut­zes ja die Nut­zung alter­na­ti­ver Aus­gangs­stof­fe vor­an. Und auch auf ehe­ma­li­gen Gewin­nungs­ge­bie­ten fällt Arbeit an, wenn die­se wie­der­ver­nässt, auf­ge­fors­tet oder für die land­wirt­schaft­li­che Fol­ge­nut­zung her­ge­rich­tet wer­den und im wei­te­ren Ver­lauf Pfle­ge­maß­nah­men nötig sind. Ich bin jetzt 55 und es ist reiz­voll für mich, die­sen Wan­del eben­falls mit­zu­ge­stal­ten und dadurch mein Wis­sen zu erwei­tern.