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14.01.2019
Dirk Röse
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Pflan­zen kli­ma­freund­lich kul­ti­vie­ren

For­schungs­pro­jekt zu „geschlos­se­nen Pflan­zen­pro­duk­ti­ons­sys­te­men“

Klasmann-Deilmann führt ein Pro­jekt zur nach­hal­ti­ge­ren Pflan­zen­pro­duk­ti­on durch. Ziel ist es, bis 2021 Gewächs­haus­sys­te­me zu iden­ti­fi­zie­ren, mit denen Treib­haus­gas-Emis­sio­nen aus der Pflan­zen­pro­duk­ti­on wei­ter gesenkt sowie weni­ger Was­ser und Dün­ger genutzt wer­den sol­len. 

Der offi­zi­el­le Titel des Ver­bund­pro­jekts lau­tet „Tech­ni­sche Ver­fah­ren für geschlos­se­ne Pflan­zen­pro­duk­ti­ons­sys­te­me zur Min­de­rung von THG-Emis­sio­nen und kli­ma­wan­del­be­ding­tem abio­ti­schen Stress“, abge­kürzt Min­THG. Die För­de­rung des Vor­ha­bens erfolgt aus Mit­teln des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Ernäh­rung und Land­wirt­schaft (BMEL) auf­grund eines Beschlus­ses des deut­schen Bun­des­ta­ges. Die Pro­jekt­trä­ger­schaft erfolgt über die Bun­des­an­stalt für Land­wirt­schaft und Ernäh­rung (BLE) im Rah­men des Pro­gramms zur Inno­va­ti­ons­för­de­rung.

Dr. Ste­fa­nie Gra­de, Direc­tor Rese­arch & Deve­lop­ment, ver­ant­wor­tet das Teil­pro­jekt von Klasmann-Deilmann.

Fra­ge: Ste­fa­nie, wor­um genau geht es im Min­THG-Pro­jekt?

Ste­fa­nie Gra­de: Das Pro­jekt zielt auf die Redu­zie­rung von Treib­haus­gas-Emis­sio­nen im Unter­glas­an­bau. Im Fokus ste­hen die Pro­duk­ti­on von Toma­ten und Erd­bee­ren. Damit wer­den gleich drei stra­te­gisch wich­ti­ge The­men ange­spro­chen:

  • die Zukunft des Pro­duk­ti­ons­gar­ten­baus und das heißt natür­lich auch die Zukunft von Klasmann-Deilmann und die Zukunft unse­rer Kun­den
  • unse­re Kom­pe­ten­zen in der Ernäh­rungs­wirt­schaft, die für uns ein sehr wich­ti­ges Absatz­seg­ment bil­det, auch im Sin­ne der Nach­hal­tig­keit
  • und unse­re Bemü­hun­gen, einen nen­nens­wer­ten Bei­trag zur Sen­kung von Emis­sio­nen bei der Pflan­zen­pro­duk­ti­on zu leis­ten, vor allem natür­lich bei unse­ren eige­nen Pro­duk­ten.

Fra­ge: Das Min­THG-Pro­jekt ist ein „Ver­bund­pro­jekt“. Was ist damit gemeint?

Ste­fa­nie Gra­de: Wir füh­ren das Pro­jekt nicht allei­ne durch, son­dern haben es gemein­sam mit ande­ren kon­zi­piert und auf den Weg gebracht. Neben Klasmann-Deilmann sind die Hum­boldt-Uni­ver­si­tät zu Ber­lin, die RAM GmbH Mess- und Regel­tech­nik und die DH Licht betei­ligt und gemein­sam haben wir das Ver­bund­pro­jekt bei der Bun­des­an­stalt für Land­wirt­schaft und Ernäh­rung (BLE) ein­ge­reicht. Mit Erfolg!

Fra­ge: Was ver­steht man unter „abio­ti­schem Stress“ und inwie­weit wird er durch den Kli­ma­wan­del ver­schärft?

Ste­fa­nie Gra­de: Pflan­zen, die wäh­rend der Kul­tur im Gewächs­haus Stress­fak­to­ren aus­ge­setzt sind, ent­wi­ckeln sich nicht opti­mal. Im Pflan­zen­bau kann abio­ti­scher Stress unter ande­rem durch die Umwelt­fak­to­ren Licht, Was­ser, Tem­pe­ra­tur oder Luft­feuch­tig­keit ver­ur­sacht wer­den. Im Sub­strat kön­nen hohe Salz­kon­zen­tra­tio­nen oder der fal­sche pH-Wert Stress ver­ur­sa­chen. Die glo­ba­le Erd­er­wär­mung, die durch die Emis­sio­nen von Treib­haus­ga­sen beschleu­nigt wird, wird alle Umwelt­fak­to­ren beein­flus­sen. Im Unter­glas­an­bau muss dar­auf durch Anpas­sung der Kul­tur reagiert wer­den. Wenn zusätz­lich Treib­haus­gas-Emis­sio­nen redu­ziert wer­den kön­nen, wäre das opti­mal.

Fra­ge: Mit wel­chen Ansät­zen sol­len im Min­THG-Pro­jekt Treib­haus­gas-Emis­sio­nen gemin­dert wer­den?

Ste­fa­nie Gra­de: Die Hum­boldt-Uni­ver­si­tät beschäf­tigt sich schon seit Jah­ren mit der Mini­mie­rung des Ein­sat­zes von Ener­gie im Unter­glas­an­bau. Die meis­ten Gewächs­häu­ser wer­den mit fos­si­len Ener­gie­trä­gern geheizt. Das ver­ur­sacht natür­lich CO2-Emis­sio­nen. Der Wär­me­ver­lust über die Gewächs­haus­ober­flä­che kann mit moder­ner Ver­gla­sung und Ener­gie­schir­men gut redu­ziert wer­den. Ein Pro­blem ist die Luft­feuch­tig­keit. Die­se wird meis­tens durch Öff­nen der Lüf­tung redu­ziert, wodurch viel Wär­me ver­lo­ren geht. An der HU Ber­lin wird nun ein neu­ar­ti­ger Ansatz getes­tet, um mit einem Was­ser­vor­hang die Luft­feuch­tig­keit zu redu­zie­ren. Bei der Opti­mie­rung der Kli­ma­füh­rung ist RAM Exper­te – auch unser Gewächs­haus in Gees­te hat einen RAM-Kli­ma­com­pu­ter. DH Licht wird die Belich­tung opti­mie­ren. Es sol­len was­ser­ge­kühl­te LEDs ein­ge­setzt wer­den, die beson­ders ener­gie­ef­fi­zi­ent sind.

Fra­ge: Wel­che Rol­le hat Klasmann-Deilmann in die­sem Pro­jekt?

Ste­fa­nie Gra­de: Unser Teil­pro­jekt beschäf­tigt sich mit dem Sub­strat. Beim hydro­po­ni­schen Anbau von Toma­ten­pflan­zen wer­den ca. 150 m³ Stein­wol­le pro ha und Jahr benö­tigt. Bei der Her­stel­lung von 1 m³ Stein­wol­le wer­den 167 kg CO2 frei­ge­setzt. Wir wer­den die Stein­wol­le durch nach­wach­sen­de Roh­stof­fe erset­zen, indem wir zu Ver­suchs­zwe­cken soge­nann­te „Grow­bags“ mit GreenFibre, Hanf oder Spha­gnum her­stel­len, in denen die Toma­ten wach­sen kön­nen. Im spä­te­ren Ver­lauf des Pro­jekts wol­len wir uns mit der Erd­beer­kul­tur beschäf­ti­gen. Wir wer­den Sub­stra­te aus 100 % alter­na­ti­ven Aus­gangs­stof­fen in einem Bereich ein­set­zen, in dem wir bis­lang nicht aktiv sind. Das passt sehr gut zu unse­rem stra­te­gi­schen Ziel, bis 2020 einen Gesamt­an­teil von 15 % alter­na­ti­ven Aus­gangs­stof­fen an der Gesamt­pro­duk­ti­on zu errei­chen.

Fra­ge: Vie­len Dank, Ste­fa­nie, wir wün­schen dir und dei­nem Team viel Erfolg bei der Umset­zung.

Auch auf poli­ti­scher Sei­te sorg­te das Ver­bund­pro­jekt schon im Vor­feld für Auf­merk­sam­keit. Bun­des­land­wirt­schafts­mi­nis­te­rin Julia Klöck­ner infor­mier­te den hie­si­gen Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten Albert Ste­ge­mann in einem per­sön­li­chen Brief über den Erfolg. „Die Klasmann-Deilmann-Grup­pe ist ein welt­wei­ter Inno­va­ti­ons­trei­ber bei Sub­stra­ten und Erden“, so der CDU-Abge­ord­ne­te. Daher sei es nur fol­ge­rich­tig, das Unter­neh­men aus Gees­te in das Ver­bund­pro­jekt Min­THG, ein­zu­bin­den. „Als Poli­tik ver­ste­hen wir uns als Part­ner der Unter­neh­men. Gemein­sam arbei­ten wir an mehr Umwelt- und Kli­ma­schutz aber auch an der Tier­hal­tung von mor­gen. Daher för­dern wir gezielt Pro­jek­te in die­sen Berei­chen und unter­stüt­zen inno­va­ti­ve Ansät­ze im länd­li­chen Räum oder der Digi­ta­li­sie­rung. Unse­re hei­mi­schen Unter­neh­men sol­len auch mor­gen wett­be­werbs­fä­hig und zu gleich nach­hal­tig pro­du­zie­ren kön­nen“, so Steg­mann.”

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen zum Pro­jekt fin­den Sie unter nach­ste­hen­dem Link:

http://​www​.unter​-​2​-grad​.de/​m​i​n​t​h​g​.​h​tml