Nachhaltigkeit

12.11.2018
Kim Karotki

Kon­fe­renz der Inter­na­tio­nal Peat­land Socie­ty

50-jäh­ri­ges Jubi­lä­um in Rot­ter­dam

Anläss­lich des 50-jäh­ri­gen Bestehens der Inter­na­tio­nal Peat­land Socie­ty fand in Rot­ter­dam eine Kon­fe­renz statt. Das The­ma lau­te­te „Die sinn­vol­le Nut­zung von Moo­ren in Ver­gan­gen­heit und Zukunft“.

Die Inter­na­tio­nal Peat­land Socie­ty (IPS) ist eine Orga­ni­sa­ti­on aus Ein­zel­per­so­nen, Unter­neh­men und Insti­tu­tio­nen, die sich dem ver­ant­wor­tungs­vol­len Manage­ment und der klu­gen Nut­zung von Moo­ren und Torf wid­met. 1968 wur­de die Gesell­schaft in Que­bec, Kana­da, gegrün­det. Heu­te ist sie in Finn­land regis­triert, wo sich auch das IPS-Sekre­ta­ri­at befin­det. Der­zeit gehö­ren 1.437 Mit­glie­der aus 41 Län­dern zu der IPS (Stand 2017). Von 2014 bis 2018 war Mana­ging Direc­tor Moritz Böcking Mit­glied im Exe­cu­ti­ve Board.

Als Prä­si­dent der IPS lei­te­te unser ehe­ma­li­ger Mit­ar­bei­ter Gerald Schmi­lew­ski die Ver­an­stal­tung. Dabei gab es einen Wech­sel von Vor­trä­gen und Exkur­sio­nen vor Ort. Ein beson­de­rer Fokus lag auf dem The­ma „Torf und Ernäh­rung“. Die­ses The­ma ist auch für Klasmann-Deilmann von hoher Bedeu­tung: Im Geschäfts­jahr 2017 gin­gen 43,9 Pro­zent unse­rer Pro­duk­te in die Ernäh­rungs­wirt­schaft, Ten­denz stei­gend.

Chris Blok von der Uni­ver­si­tät Wagenin­gen prä­sen­tier­te dazu eine Pro­gno­se der Bevöl­ke­rungs­ent­wick­lung bis zum Jahr 2050 und der damit wach­sen­den Nach­fra­ge nach Sub­strat­aus­gangs­stof­fen. Im Jahr 2017 betrug die Men­ge an Kul­tur­sub­stra­ten für die Ernäh­rung welt­weit 59.000.000 Kubik­me­ter. Davon nahm Torf 40 Mil­lio­nen Kubik­me­ter ein. Laut Schät­zun­gen wird sich der Bedarf an Kul­tur­sub­stra­ten mit 244 Mil­lio­nen Kubik­me­ter im Jahr 2050 mehr als ver­vier­facht haben. Der Torf­an­teil wird dabei auf 80 Mil­lio­nen Kubik­me­ter pro­gnos­ti­ziert.

Bernd Hofer vom Inge­nieur­bü­ro Hofer und Pautz gab eine Ein­schät­zung zu den welt­wei­ten Torf­vor­rä­ten und ‑ver­füg­bar­kei­ten ab. Ziel sol­le sein, Torf nur in Flä­chen zu gewin­nen, die nach RPP („Respon­si­b­ly Pro­du­ced Peat“) zer­ti­fi­ziert sind. Dies tra­ge dazu bei, Moo­re mit hohem Erhal­tungs­wert unbe­rührt zu las­sen. Bernd Hofer ging außer­dem auf die nach RPP vor­ge­se­he­nen Natur­schutz­maß­nah­men ein. Dabei stell­te er auch eine unse­rer ehe­ma­li­gen Gewin­nungs­flä­chen in Šilu­tė vor. Zur­zeit sind bereits 67 Pro­zent unse­rer Flä­chen nach RPP zer­ti­fi­ziert, aus denen ins­ge­samt 75,9 Pro­zent unse­rer Torf­ge­win­nungs­men­gen stam­men.

Jan Köb­bing (Head of Sustai­na­bi­li­ty Manage­ment) hielt einen Vor­trag zum CO2-Fuß­ab­druck von Sub­strat­aus­gangs­stof­fen in Bezug auf den gesam­ten Lebens­zy­klus unse­rer Pro­duk­te. D. h. berück­sich­tigt wer­den die CO2-Äqui­va­len­te von der Roh­stoff­ge­win­nung über die Pro­duk­ti­on, den Trans­port, die Anwen­dung im Gar­ten­bau­be­trieb, den Han­del, die Nut­zung beim End­ver­brau­cher bis hin zur Ent­sor­gung oder dem Recy­cling.

Die­se Betrach­tungs­wei­se wird „crad­le to gra­ve“ genannt. Sie möch­ten mehr dar­über wis­sen, was es mit „crad­le to gra­ve“ und „crad­le to gate“ auf sich hat? Dann lesen Sie unse­ren Blog­ar­ti­kel zu dem The­ma.

Die Nie­der­lan­de ver­fü­gen über kei­ne intak­ten Moo­re mehr. Ent­spre­chend ging es wäh­rend den ange­bo­te­nen Exkur­sio­nen the­ma­tisch um die his­to­ri­sche und die heu­ti­ge Nut­zung von Torf im Gar­ten­bau. Dies führ­te die Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mer auch zu einem For­schungs­zen­trum der Uni­ver­si­tät Wagenin­gen. Bei der Besich­ti­gung von Grün­land­flä­chen auf ehe­ma­li­gen Moo­ren dis­ku­tier­ten die IPS-Mit­glie­der die damit ein­her­ge­hen­den Pro­ble­me wie die Sackung der Flä­chen und die Treib­haus­gas­emis­sio­nen, da der Torf sich auf den tro­cken­ge­leg­ten Flä­chen zer­setzt und CO2 in die Atmo­sphä­re abgibt.

Jan Köb­bing zog im Anschluss sein Fazit: „Für mich war die­se Ver­an­stal­tung ein wich­ti­ges Tref­fen, um sich mit Kol­le­gen aus der Bran­che, Wis­sen­schaft­lern und Part­nern aus­zu­tau­schen. Hol­land als das Herz des Gar­ten­baus war ins­be­son­de­re für die gar­ten­bau­li­che Nut­zung von Torf ein inter­es­san­ter Treff­punkt. Es haben sich vie­le Anknüp­fungs­punk­te erge­ben, bei­spiels­wei­se mit dem kana­di­schen Torf­ver­band zum The­ma Kli­ma­bi­lanz oder mit unse­rem Koope­ra­ti­ons­part­ner Micro­pro­pa­ga­ti­on Ser­vices aus unse­rem Torf­moos­pro­jekt.

Am Vor­tag der Ver­an­stal­tung fand außer­dem ein Tref­fen für Füh­rungs­per­sön­lich­kei­ten der Tor­f­in­dus­trie statt, an dem Moritz Böcking teil­nahm. Die­ses, eben­so wie die gesam­te IPS-Ver­an­stal­tung, war bereits Ende August vom Exe­cu­ti­ve Board der Inter­na­tio­nal Peat­land Socie­ty im Inno­va­ti­on Cen­ter in Gees­te vor­be­rei­tet wor­den. Zweck des Tref­fens war, Ver­tre­ter wich­ti­ger inter­na­tio­na­ler Orga­ni­sa­tio­nen und Unter­neh­men aus der Tor­f­in­dus­trie über die Bedeu­tung der glo­ba­len Moor­res­sour­cen für das Kli­ma zu sen­si­bi­li­sie­ren.