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06.09.2019
Skadi Menne
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Das Gebäu­de erzählt eine Geschich­te

Eine Füh­rung durch das Inno­va­ti­on Cen­ter

Klei­ne Details sind über­all ver­steckt und nicht jeder kennt sie oder nimmt sie auf den ers­ten Blick wahr. Dirk Röse (Lei­ter Cor­po­ra­te Com­mu­ni­ca­ti­on) hat mich auf eine Tour durch das Inno­va­ti­on Cen­ter mit­ge­nom­men, um mir die Geschich­te hin­ter dem Gebäu­de zu erzäh­len.

Unse­re Füh­rung beginnt drau­ßen vor dem Inno­va­ti­on Cen­ter

Die beson­de­re Form und das eher unty­pi­sche Aus­se­hen des Gebäu­des fal­len sofort auf.

Ska­di: Wie kam es zu die­ser Form des Gebäu­des?

Dirk: Das Gebäu­de soll sich in die Land­schaft ein­fü­gen, es soll nicht stö­rend wir­ken, son­dern einen ange­neh­men Akzent set­zen. Den Archi­tek­ten ist das sehr gut gelun­gen. Ins­be­son­de­re die gro­ßen Fens­ter und die gera­den Lini­en füh­ren dazu, dass das Gebäu­de aus der Fer­ne eher zier­lich wirkt. Erst wer ins Foy­er kommt, erkennt, wie groß es wirk­lich ist. Vie­le Gäs­te sind über­rascht, wenn sie das Inno­va­ti­on Cen­ter das ers­te Mal betre­ten.

Wir machen uns auf den Weg in das Inno­va­ti­on Cen­ter, hal­ten aber schon auf der Brü­cke wie­der an.

Ska­di: Was hat es mit die­sem Becken auf sich? Es ist mit Torf gefüllt, es wird von einem Gra­ben durch­zo­gen, der durch Regen­was­ser gespeist wird, und es wach­sen über­all hoch­moor­ty­pi­sche Pflan­zen, vor allem Torf­moo­se.

Dirk: Das Torf­be­cken und die Brü­cke haben für uns eine wich­ti­ge Bedeu­tung. Der Roh­stoff Torf zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschich­te von Klasmann-Deilmann, er ist bis heu­te eine zen­tra­le Grund­la­ge für unse­ren anhal­ten­den Erfolg. Hin­ter dem Torf­be­cken ver­birgt sich eine Sym­bo­lik: Wer zu Klasmann-Deilmann gelan­gen möch­te, kommt am Torf nicht vor­bei, son­dern muss ihn ein­mal über­que­ren. Unse­re enge Ver­bun­den­heit mit die­sem Roh­stoff kommt damit zum Aus­druck. Gleich­zei­tig lässt man den Torf hin­ter sich, wenn die Brü­cke über­quert ist. Hin­ter dem Torf geht es wei­ter und genau genom­men beginnt erst hin­ter dem Torf das Inno­va­ti­on Cen­ter …

Ska­di: Und die Torf­moo­se?

Dirk: Das ist die drit­te Sym­bo­lik hin­ter dem Torf­be­cken. Torf­moo­se, Son­nen­tau und ande­re hoch­moor­ty­pi­sche Pflan­zen zei­gen, dass wir nach der Gewin­nung auch für die Rena­tu­rie­rung sor­gen. Gera­de bei die­sem The­ma machen wir der­zeit wie­der gro­ße Fort­schrit­te und ent­wi­ckeln unse­re Kom­pe­ten­zen wei­ter. Die geziel­te Ansied­lung von Torf­moo­sen beschleu­nigt die Rena­tu­rie­rung. Das kann man im Torf­be­cken beson­ders gut erken­nen.

Ska­di: Was man von hier ja nicht erken­nen kann, ist die U‑Form des Gebäu­des. Hat auch sie einen tie­fe­ren Sinn?

Dirk: Jedes Gebäu­de bil­det eine in sich geschlos­se­ne Ein­heit. Dass wir aber kei­ne abge­schot­te­te Welt sind, in der wir um uns selbst krei­sen, ver­deut­licht die U‑Form. Das Gebäu­de bleibt an einer Stel­le offen, so dass sich Hori­zon­te öff­nen. Der Blick geht in die Wei­te, geht in die Zukunft, geht bewusst auch ein wenig ins Unge­wis­se.

Ska­di: Die Brü­cke sym­bo­li­siert also auch einen Über­gang von der Gegen­wart in die Zukunft?

Dirk: Ja, ganz genau.

Im Gebäu­de geht unse­re Füh­rung wei­ter

In der Ein­gangs­hal­le fal­len mir direkt die gro­ßen Schwarz-Weiß-Bil­der auf, die offen­bar Men­schen aus der gan­zen Welt zei­gen. Nur ein paar davon konn­te ich in mei­ner kur­zen Zeit im Unter­neh­men ken­nen­ler­nen.

Ska­di: Die Bil­der zei­gen Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter von Klasmann-Deilmann, rich­tig?

Dirk: Ja und nein. Wir sehen hier zum einen Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen aus Deutsch­land, Frank­reich und den Nie­der­lan­den. Dar­über hin­aus haben wir aber auch Bil­der unse­rer Kun­den aus Irland, Marok­ko und Chi­na aus­ge­wählt. Dar­ge­stellt wird auf die­se Wei­se die gro­ße Klasmann-Deilmann-Fami­lie, die nicht nur die gan­ze Welt umspannt, son­dern glei­cher­ma­ßen auch unse­re Part­ner­un­ter­neh­men und unse­re Kun­den ein­be­zieht.

Ska­di: Die Welt­kar­te an der Wand ist ja eher ein typi­sches Motiv, für das sich vie­le Unter­neh­men ent­schei­den.

Dirk: Das ist tat­säch­lich so. Wenn ein Unter­neh­men die eige­ne Inter­na­tio­na­li­tät auf einen Blick zei­gen möch­te, ist die Welt­kar­te nach wie vor das Bild, das jeder Betrach­ter sofort erfas­sen kann. Und vie­le Gäs­te sind doch erstaunt, weil ihnen nicht bewusst war, dass wir von Euro­pa aus bis nach Hawaii, Chi­le, Japan und Neu­see­land unter­wegs sind, wie vie­le Toch­ter­ge­sell­schaf­ten und Ver­triebs­part­ner wir haben.

Ska­di: Die Ein­gangs­hal­le ist wirk­lich groß und sehr offen.

Dirk: Sie soll zei­gen, dass hier genug Platz für Ide­en und Inno­va­tio­nen ist, die uns wei­ter nach vor­ne brin­gen. Die offe­ne Bau­wei­se zieht sich übri­gens durch das gan­ze Gebäu­de. Anstel­le von Mau­ern wur­den über­all Glas­wän­de ein­ge­zo­gen oder sogar ganz auf Wän­de ver­zich­tet. Die Trans­pa­renz, die wir nach außen immer stär­ker pfle­gen, hat hier eine Ent­spre­chung nach innen.

Ska­di: Die Wän­de sind weiß gestri­chen, hier und da gibt es Sicht­be­ton, immer wie­der sieht man Holz.

Dirk: Maß­ga­be war, dem Licht von außen im Innern mög­lichst weni­ge Gren­zen zu set­zen. Auch das sprach für Glas­wän­de. Und des­halb blie­ben auch die Beton­mau­ern hell. Holz ist natür­lich an sich ein tol­ler Bau­stoff, und es lag nahe, ihn zu nut­zen. Dass die Fas­sa­de mit Holz ver­klei­det ist, dass wir auch im Innern viel Holz sehen, hat aber vor allem mit unse­ren Geschäfts­mo­del­len zu tun. Im Sub­strat­be­reich nut­zen wir immer mehr Holz, wir hei­zen mit Holz, wir sind im Bereich der nach­wach­sen­den Roh­stof­fe und erneu­er­ba­ren Ener­gi­en aktiv.

Der Aus­stel­lungs­be­reich

Unser Weg führt nun tie­fer ins Gebäu­de hin­ein. Rechts sind unse­re Roh­stof­fe in den Boden ein­ge­las­sen: Schwarz­torf, Weiß­torf, Holz­fa­sern, Grün­kom­post, aber auch Dün­ger, Sand, Ton­gra­nu­lat und sogar der Grow­coon. Direkt gegen­über ste­hen drei Aus­stel­lungs­wän­de, auf denen zur­zeit Fotos der letz­ten Inter­na­tio­na­len Pflan­zen­mes­se zu sehen sind – und wie­der vie­le unse­rer Ver­triebs­part­ner und Kun­den.   

Ska­di: Hier beginnt der Aus­stel­lungs­be­reich …

Dirk: … mit unse­ren Roh­stof­fen. Die soll man sich hier übri­gens nur anschau­en. Wer sie auch anfas­sen möch­te, fin­det wei­ter hin­ten vier Schub­la­den, in denen die glei­chen Stof­fe greif­bar sind.

Ska­di: Gera­de­aus hän­gen unse­re Ver­pa­ckun­gen, in Ein­zel­tei­le zer­legt, um auf die prä­gen­den Ele­men­te auf­merk­sam zu machen.

Dirk: Nach den Men­schen, die hier arbei­ten, und den Roh­stof­fen wird nun unser End­pro­dukt gewür­digt – der Kern unse­rer Arbeit.

Außer­dem gibt es vier Kurz­fil­me, die ganz bewusst ohne Ton lau­fen und eine kur­ze Ein­füh­rung in wich­ti­ge The­men geben: unse­re Sub­stra­te, unse­re Visi­on, unser Bereich Bio­en­er­gy und unse­re nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung.

Ska­di: Ver­mut­lich blei­ben aber vie­le Besu­cher am Touch-Table ste­hen …

Dirk: Das stimmt aller­dings. Wenn es die Zeit erlaubt, gehe ich mit man­chen Besu­cher­grup­pen am Ende einer Ver­an­stal­tung hier­her und bit­te sie, das Quiz zu spie­len. Dann kön­nen sie tes­ten, was sie schon über Klasmann-Deilmann wis­sen. Das funk­tio­niert übri­gens auch gut mit Prak­ti­kan­ten, bevor sie uns wie­der ver­las­sen …

Ska­di: Dan­ke für den Tipp, ich wer­de mich gut vor­be­rei­ten.

Unter dem Bild­schirm ent­de­cke ich Schub­la­den mit gro­ßen Pla­ka­ten, die her­vor­ge­zo­gen wer­den kön­nen und unse­re Wert­schöp­fungs­ket­te mit den wich­tigs­ten Daten und Fak­ten prä­sen­tie­ren.

Mein Blick fällt dann auf die Biblio­thek. Hier fin­det man Sach­bü­cher über Moo­re, Torf­ab­bau und Rena­tu­rie­rung, über den Gar­ten­bau, Sub­stra­te und Sub­strat­aus­gangs­stof­fe, über die Geschich­te unse­rer Bran­che und unse­res Unter­neh­mens sowie zahl­rei­che Bücher zu wirt­schaft­li­chen The­men.

Dirk: Die Bücher der Biblio­thek sind nicht nur zum Anse­hen gedacht, man darf sie auch aus­lei­hen.

Der Innen­be­reich

Nach­dem wir nun den gesam­ten Bereich der Ein­gangs­hal­le, der Biblio­thek und der Aus­stel­lung erkun­det haben, wer­fen wir einen kur­zen Blick in einen der Büro­be­rei­che.

Ska­di: Wie kam es zu die­ser Innen­aus­stat­tung? Die Möbel in ihren Pas­tell­tö­nen wir­ken sehr freund­lich.

Dirk: Die Natur hat die Farb­ge­bung bestimmt. Die Innen­ar­chi­tek­ten haben sich an der Palet­te von Farb­tö­nen der Land­schaft ori­en­tiert: Grün, Oran­ge, Gelb, auch ein wenig Rot, selbst Grau und Weiß zäh­len zur Farb­pa­let­te der Natur und – ganz klar – auch wie­der das Holz. Ist dir auf­ge­fal­len, wel­che Far­be fehlt?

Ska­di: Der blaue Him­mel fehlt.

Dirk: Und sogar dafür gibt es einen Grund: Blau ist im Cor­po­ra­te Design von Klasmann-Deilmann nicht vor­ge­se­hen, alle ande­ren Far­ben aber sehr wohl. Den meis­ten Gäs­ten fällt das übri­gens gar nicht auf.   

Dar­über hin­aus gibt es auch eine prä­gen­de Form, die sich über­all wie­der­fin­det.

Ska­di: Die lang­ge­streck­ten Flä­chen?

Dirk: Genau. Die lang­ge­zo­ge­nen For­men sind eine Hom­mage an unse­re Torf­ge­win­nungs­flä­chen. Man fin­det sie über­all im Gebäu­de. Die Außen­fas­sa­de hat sie, es gibt Tep­pi­che, deren Mus­ter aus lan­gen Lini­en besteht, das feu­er­be­han­del­te Holz der Raum­tren­ner besteht aus der­sel­ben Form, die Rücken­leh­nen vie­ler Stüh­le und der Alko­ven sind lang­ge­streckt, selbst­ver­ständ­lich auch die Jalou­si­en und die Büro­ti­sche.

Natur als Vor­bild

Wir lau­fen über wei­che Tep­pi­che, die eine schall­däm­men­de Funk­ti­on haben. Auch von der Decke hän­gen schall­schlu­cken­de Plat­ten her­ab. Obwohl hier eini­ge Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen qua­si im sel­ben Raum arbei­ten, reden und tele­fo­nie­ren, bleibt es über­ra­schend ruhig.

Unser Weg führt durch die Aca­de­my, in der aus­nahms­wei­se kei­ne der zahl­rei­chen Ver­an­stal­tun­gen statt­fin­det. Auch die Mee­ting Points sind gera­de men­schen­leer. Nur in der Can­ti­na, durch die schon dezent der lecke­re Duft des bevor­ste­hen­den Mit­tag­essens zieht, sit­zen eini­ge Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen beim Kaf­fee zusam­men, auf dem Tisch eini­ge Unter­la­gen.

Mir fällt auf, dass alle Gegen­stän­de eckig sind – abge­se­hen von der Mau­er an der Zen­tra­le und einer Wand im Sit­zungs­raum Gees­te. Die­se sind die ein­zi­gen abge­run­de­ten For­men im Inno­va­ti­on Cen­ter. Ich habe den Ein­druck, das Gebäu­de mit den dahin­ter­ste­hen­den Ide­en schon deut­lich bes­ser zu ver­ste­hen.

Den­noch bleibt für mich eine Fra­ge offen …

Ska­di: Was macht dei­ner Mei­nung nach das Gebäu­de so beson­ders?

Dirk: Wir arbei­ten seit mehr als zehn Jah­ren dar­an, Klasmann-Deilmann neu zu defi­nie­ren. Es geht um neue Roh­stof­fe, mehr Trans­pa­renz, neue Ide­en, über­grei­fen­de Koope­ra­tio­nen, offe­nen Dia­log, mehr Inno­va­tio­nen, eine nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung, geziel­te Wege in die Zukunft. Vor allem nach außen und auf Pro­dukt­ebe­ne haben wir in die­ser Zeit sehr viel erreicht. Auch nach innen kom­men wir mit gro­ßen Schrit­ten vor­an. Alle die­se ambi­tio­nier­ten Vor­ha­ben und Ent­wick­lun­gen spie­geln sich im Inno­va­ti­on Cen­ter wie­der. Wir haben nun das Gebäu­de, das zu uns passt.

Damit endet unser Rund­gang durch das Inno­va­ti­on Cen­ter und ich bedan­ke mich für die Ein­bli­cke in ein ein­drucks­vol­les Gebäu­de.