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02.09.2020
Dirk Röse
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Bun­des­mi­nis­te­rin Julia Klöck­ner eingeladen

Run­der Tisch soll bei Klasmann-Deilmann stattfinden

Klasmann-Deilmann hat Julia Klöck­ner, Bun­des­mi­nis­te­rin für Ernäh­rung und Land­wirt­schaft (BMEL), in unse­re Unter­neh­mens­zen­tra­le nach Groß Hese­pe ein­ge­la­den. Hin­ter­grund ist die aktu­el­le Debat­te um eine Redu­zie­rung von Torf­an­tei­len in Kul­tur­sub­stra­ten und Blu­men­er­den. Geschäfts­füh­rer Moritz Böcking nahm dazu im Inter­view Stellung.

Herr Böcking, las­sen Sie uns die Ereig­nis­se noch ein­mal chro­no­lo­gisch schil­dern. Wie kam es zu der Ein­la­dung der Bun­des­mi­nis­te­rin Julia Klöckner?

Moritz Böcking: Euro­pa will bis 2050 kli­ma­neu­tral sein. Vor die­sem Hin­ter­grund möch­te die Bun­des­re­gie­rung bereits bis zum Jahr 2030 die Emis­sio­nen in Deutsch­land deut­lich sen­ken. Bun­des­mi­nis­te­rin Julia Klöck­ner for­dert in die­sem Kon­text, dass in Kul­tur­sub­stra­ten und Blu­men­er­den weni­ger Torf ein­ge­setzt wird. Das ist ein Anlie­gen, das wir grund­sätz­lich unter­stüt­zen, auch weil in Deutsch­land die Torf­vor­rä­te in abseh­ba­re­rer Zeit erschöpft sein werden.

 

Zum Bei­spiel durch unser 15-%-Ziel bis 2020 und das 30-%-Ziel bis 2025?

Moritz Böcking: Ja, wir mischen unse­ren Kul­tur­sub­stra­ten immer mehr alter­na­ti­ve Aus­gangs­stof­fe zu. Damit sind wir auf dem abso­lut rich­ti­gen Weg. Auch unser Wett­be­werb weiß, dass die­se Ziel­rich­tung unum­kehr­bar ist. Im letz­ten Win­ter tra­fen sich die deut­schen Sub­stra­ther­stel­ler und einig­ten sich auf eine Selbst­ver­pflich­tung. Das war ein gro­ßer Schritt für alle Betei­lig­ten und ein weit­rei­chen­des Ange­bot an die Politik.

 

Wor­in besteht die Selbstverpflichtung?

Moritz Böcking: In Blu­men­er­den für End­ver­brau­cher sol­len die Torf­an­tei­le um 50 % bis 2025 bzw. um 70 % bis 2030 zurück­ge­hen. Gleich­zei­tig redu­zie­ren wir die Torf­an­tei­le in Kul­tur­sub­stra­ten für den Pro­duk­ti­ons­gar­ten­bau um 20 % bis 2025 bzw. um 30 % bis 2030.

 

Aus Sicht von Klasmann-Deilmann klingt das machbar.

Moritz Böcking: Ja, mach­bar ist es. Aber es ist eine rie­si­ge Her­aus­for­de­rung für unser Unter­neh­men, da wir kei­ne Qua­li­täts­ein­bu­ßen für unse­re Kun­den akzep­tie­ren und die not­wen­di­gen nach­wach­sen­den Roh­stof­fe schwie­rig zu beschaf­fen sein wer­den. Unse­re Sze­na­ri­en mit 15 % und 30 % bezie­hen sich auf unse­ren eige­nen welt­wei­ten Ver­trieb und sind dem­entspre­chend noch etwas ambi­tio­nier­ter. Die Selbst­ver­pflich­tung der deut­schen Sub­stra­ther­stel­ler bezieht sich allein auf Deutsch­land. Es muss­ten Zie­le for­mu­liert wer­den, die für die gan­ze Bran­che mach­bar sind – auch wenn Klasmann-Deilmann hier­zu­lan­de schon etwas wei­ter ist. Wir hal­ten die Selbst­ver­pflich­tung für fair und realistisch.

Geschäfts­füh­rer Moritz Böcking im Interview

Bis hier­her klingt das Gan­ze nach einer wün­schens­wer­ten Entwicklung.

Moritz Böcking: Lei­der kam aus dem Minis­te­ri­um post­wen­dend eine Stel­lung­nah­me, dass die Zie­le der deut­schen Sub­strat­bran­che nicht ehr­gei­zig genug sei­en. Julia Klöck­ner for­dert wei­ter­ge­hen­de Maß­nah­men, sprich: noch weni­ger Torf in Kul­tur­sub­stra­ten und vor allem in Blu­men­er­den. Wesent­li­ches Argu­ment ist dabei die fälsch­li­che Annah­me, dass Torf 2 % der bun­des­deut­schen Emis­sio­nen ver­ur­sacht. Kurz dar­auf hat sie wich­ti­ge Han­dels­part­ner unse­rer Bran­che schrift­lich auf­ge­for­dert, sie bei der Durch­set­zung ihrer Zie­le gegen uns zu unterstützen.

 

Und dann kam die Sommerpause.

Moritz Böcking: In den ver­gan­ge­nen Wochen ist hin­ter den Kulis­sen viel gesche­hen. Die im Indus­trie­ver­band Gar­ten­bau (IVG) orga­ni­sier­ten Sub­stra­ther­stel­ler sind aller­dings noch in der Abstim­mung mit asso­zi­ier­ten Ver­bän­den, wie man nun wei­ter vor­ge­hen soll. Des­halb hat Klasmann-Deilmann die Initia­ti­ve über­nom­men und Julia Klöck­ner per­sön­lich zu uns ins Inno­va­ti­on Cen­ter ein­ge­la­den. Unser Vor­ge­hen wird vom Ver­band sehr begrüßt.

 

Was genau ist die Idee hin­ter der Einladung?

Moritz Böcking: Wir möch­ten einen „Run­den Tisch“ aus­rich­ten, an dem die Debat­te um die Torf­min­de­rungs­stra­te­gie fort­ge­führt wird. Wir haben Ver­tre­ter der Lan­des­po­li­tik infor­miert, dar­un­ter der nie­der­säch­si­sche Wirt­schafts­mi­nis­ter Bernd Althus­mann sowie Poli­ti­ker aus der Regi­on und auf EU-Ebe­ne. Ein­ge­la­den sind auch der IVG, der Zen­tral­ver­band Gar­ten­bau (ZVG) und die Deut­sche Gesell­schaft für Moor- und Torf­kun­de (DGMT) sowie natür­lich Ver­tre­ter der ande­ren Sub­stra­ther­stel­ler. Im Opti­mal­fall hät­ten wir eine sehr hoch­ka­rä­ti­ge Dis­kus­si­ons­run­de zu Gast.

 

Mit wel­chen Argu­men­ten wird Klasmann-Deilmann antreten?

Moritz Böcking: Wir ent­wi­ckeln gera­de ein Posi­ti­ons­pa­pier zu die­sem The­men­kreis. Dazu haben wir den Anteil der Torf­ge­win­nung und ‑nut­zung an den deut­schen Emis­sio­nen berech­net. Eine wesent­li­che Grund­la­ge war der Kli­ma­be­richt aus Julia Klöck­ners Minis­te­ri­um, der soge­nann­te „Natio­na­le Inven­tar­be­richt 2020“. Wenn man des­sen Zah­len zugrun­de legt, ist Torf für maxi­mal 0,3 % der hie­si­gen Emis­sio­nen ver­ant­wort­lich – und nicht für 2 %. Da hat sich im BMEL jemand gewal­tig ver­rech­net. Ein ande­res Argu­ment ist die Tat­sa­che, dass Torf nach wie vor der bes­te Roh­stoff für qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ge Kul­tur­sub­stra­te ist. Außer­dem befürch­ten wir zuneh­men­de Eng­päs­se bei Holz­fa­sern, Grün­kom­post, Rin­den usw., wenn den Blu­men­er­den und Kul­tur­sub­stra­ten in zu kur­zen Zeit­räu­men zu hohe Antei­le zuge­mischt wer­den sol­len. Gera­de in der Coro­na Kri­se hat die Gar­ten­bau­bran­che bewie­sen, wie robust sie ist und wie wich­tig Sub­stra­te für die siche­re Gemü­se- und Zier­pflan­zen­ver­sor­gung in Euro­pa sind. Torf ist ein loka­ler Roh­stoff, der Euro­pa unab­hän­gig macht, auch wenn die inter­na­tio­na­len Trans­port­we­ge gestört sind.

 

Wel­che For­de­run­gen wür­den wir erheben?

Moritz Böcking: Wir unter­stüt­zen den kli­ma­schutz­po­li­ti­schen Kurs der Bun­des­re­gie­rung. Gleich­zei­tig müs­sen wir dar­auf ach­ten, dass die Qua­li­tät unse­rer Pro­duk­te erhal­ten bleibt. Für bei­de Ziel­rich­tun­gen bil­det die Selbst­ver­pflich­tung einen rea­lis­ti­schen Rah­men. Den wol­len wir ver­tei­di­gen. Unse­re dar­über hin­aus gehen­den For­de­run­gen bezie­hen sich unter ande­rem dar­auf, dass wir einen siche­ren Zugriff auf alter­na­ti­ve Aus­gangs­stof­fe bekom­men, dass For­schungs­vor­ha­ben geför­dert wer­den, dass wir im Bereich der Ernäh­rungs­wirt­schaft und im Zier­pflan­zen­bau sehr behut­sam mit Tor­fer­satz umge­hen – und dass die Nut­zung von Torf wei­ter­hin mög­lich bleibt.

 

Aber ist nicht gera­de die Torf­nut­zung der kri­ti­sche Punkt?

Moritz Böcking: Klasmann-Deilmann unter­stützt die euro­päi­sche Nach­hal­tig­keits­in­itia­ti­ve „Respon­si­b­ly Pro­du­ced Peat“ (RPP), deren Ziel eine ver­ant­wor­tungs­vol­le Nut­zung von Torf­ge­win­nungs­flä­chen und der Schutz natür­li­cher Moo­re ist. Dazu hat RPP ein Zer­ti­fi­zie­rungs­sys­tem eta­bliert, das nach­weis­lich die Aus­wahl, Nut­zung und Wie­der­her­rich­tung von Gewin­nungs­flä­chen mit stren­gen Auf­la­gen ver­bin­det. Wenn sich alle Sei­ten auf RPP-zer­ti­fi­zier­ten Torf eini­gen, nut­zen wir einen Roh­stoff, der in die nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung unse­res Lan­des, der Sub­strat­bran­che und unse­rer Pro­duk­te passt.

 

Gibt es schon eine Rück­mel­dung aus Berlin?

Moritz Böcking: Die Ein­la­dung ist erst seit ein paar Tagen raus. Jetzt muss das Anlie­gen in Ber­lin erst ein­mal gründ­lich geprüft und eine Mei­nung dazu ent­wi­ckelt wer­den. Wir gehen davon aus, dass es mit der Ant­wort noch ein wenig dau­ern wird, wir sind gespannt!

 

Vie­len Dank, Herr Böcking.

Moritz Böcking: Ger­ne. Wir hal­ten Sie auf dem Laufenden.