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19.08.2021
Skadi Menne
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Aus­brin­gung von Torfmoosen

Ein Erfah­rungs­be­richt der Uni Heidelberg

Einer der ers­ten Kun­den, die von unse­rem Nach­hal­tig­keits­team Torf­moo­se zur Aus­brin­gung erhiel­ten, war die Uni Hei­del­berg. In dem Bota­ni­schen Gar­ten der Ruprecht-Karls-Uni­ver­si­tät wur­de 2019/2020 ein Torf­moos­be­cken ange­legt. Andre­as Franz­ke, der einer der Pro­jekt­ver­ant­wort­li­chen ist, gab uns in einem Inter­view einen Über­blick über den aktu­el­len Stand.

Ska­di Men­ne: Hal­lo Herr Franz­ke, vie­len Dank, dass Sie sich die Zeit genom­men haben. Wie groß ist Ihr Moor­be­reich und wie dür­fen wir uns den Auf­bau der Anla­ge vorstellen?

Andre­as Franz­ke: Die Basis der Anla­ge ist ein abge­dich­te­tes Beton­be­cken, das ca. 15 x 9 Meter groß ist und eine Tie­fe von 0,5 Metern hat. Als Grund­la­ge die­nen umge­dreh­te PE-Kunst­stoff-Käs­ten, die durch­bohrt wur­den und nun als Was­ser­re­ser­voir für den Torf­kör­per die­nen. Die Kis­ten ste­hen in einem Abstand von 10 cm zuein­an­der. Auf den Kis­ten und in den Zwi­schen­räu­men wur­de gro­ber Weiß­torf ein­ge­bracht. Dar­auf wur­den mit fei­nem Weiß­torf zwei höhe­re, rela­tiv gro­ße Bul­ten­be­rei­che modelliert.

In der ebe­nen Lage über den Kis­ten bzw. Schlen­ke ist der Torf­kör­per etwa 20 bis 25 cm stark und die Bul­ten haben eine Gesamt­stär­ke von etwa 50 cm. Der Auf­bau durf­te sich dann ca. 9 Mona­te set­zen, bevor die Flä­che bepflanzt wur­de. In der Mit­te haben wir das soge­nann­te „Moor­au­ge”, das ist ein völ­lig frei­er Bereich, der mit Was­ser gefüllt ist. Die­ses wur­de mit Torf­zie­geln ein­ge­fasst, um ein Abrut­schen der Rand­be­rei­che zu ver­hin­dern und das Moor­au­ge freizuhalten.

Ska­di Men­ne: Wie erfolg­te die Aus­brin­gung der Torfmoose?

Andre­as Franz­ke: Auf die model­lier­te Torf­schicht wur­den die Torf­moo­se gleich­mä­ßig ver­teilt und etwas ange­drückt. Über den Win­ter wur­de die Flä­che abge­deckt, um sie nicht nur vor der Käl­te, son­dern auch vor dem Laub zu schützen.

Ska­di Men­ne: Wie haben sich die von uns gelie­fer­ten Moo­se entwickelt?

Andre­as Franz­ke: Die Torf­moo­se haben sich durch­weg posi­tiv ent­wi­ckelt. Zudem sind aus dem Samen­spei­cher unter ande­rem fol­gen­de Arten auf­ge­lau­fen: ‚Mitt­le­rer Son­nen­tau‘, ‚Rund­blätt­ri­ger Son­nen­tau‘ und ‚Glo­cken­hei­de‘. Die­se haben sich alle fest in der Anla­ge eta­bliert und bil­den gute Bestän­de. Das ist auch genau das, was wir errei­chen wollten.

Ska­di Men­ne: Mit wel­cher Art von Bewäs­se­rungs­sys­tem arbei­ten Sie?

Andre­as Franz­ke: Das Becken besitzt kei­nen Ablauf. Die Bewäs­se­rung erfolgt also aus­schließ­lich über Regen­was­ser. An Tagen ohne Nie­der­schlag wird das Becken ein- bis zwei­mal über Kreis­reg­ner mit Regen­was­ser aus einer Zis­ter­ne, also einem unter­ir­di­schen bezie­hungs­wei­se abge­deck­ten Sam­mel­be­häl­ter, bewässert.

Ska­di Men­ne: Wel­che Erfah­rungs­wer­te konn­ten sie rück­bli­ckend zur Pla­nung, Anla­ge und Pfle­ge des Bereichs sammeln?

Andre­as Franz­ke: Ein wich­ti­ger Punkt ist das Ent­fer­nen von Unkräu­tern. Damit wir beim Ent­fer­nen das Gewicht gleich­mä­ßig ver­tei­len kön­nen und kei­ne blei­ben­den Abdrü­cke in dem wei­chen Unter­bo­den hin­ter­las­sen, haben wir eine Lei­ter als Steg aus­ge­legt, die mit einem Brett als Auf­la­ge ver­se­hen ist. Dadurch wird eine Ver­dich­tung der Torf­kör­per vermieden.

Eini­ge der Pflan­zen, die in die Anla­ge gehö­ren, müs­sen regel­mä­ßig im Bestand redu­ziert bzw. in die gewünsch­ten Berei­che der Moor­an­la­ge umge­pflanzt wer­den. ‚Glo­cken­hei­de‘ und ‚Blau­es Pfei­fen­gras‘ sind bei­spiels­wei­se so stark­wüch­sig, dass sie immer wie­der von uns „ein­ge­fan­gen“ wer­den müs­sen. Anspruchs­vol­le­re Arten, wie ‚Mitt­le­rer Son­nen­tau‘ oder ‚Wei­ßes Schna­bel­ried‘, haben sich hin­ge­gen an den vor­ge­se­he­nen Stel­len bereits fest etabliert.

Bei zu star­ken Nie­der­schlä­gen muss mit­tels einer Tauch­pum­pe der Was­ser­stand gesenkt wer­den. Dies gestal­tet sich als zeit­auf­wän­dig, da die­se regel­mä­ßig ver­stopft. Wahr­schein­lich wäre ein regu­lier­ba­rer Ablauf gut, um ein Ver­stop­fen zukünf­tig zu ver­mei­den. Im Win­ter wird der Was­ser­stand nicht regu­liert. Zu hohe Was­ser­stän­de im Win­ter füh­ren dazu, dass unge­wünsch­te Bei­kräu­ter in den nied­ri­gen Berei­chen ertränkt wer­den. Ein Nach­teil für die Moor­be­pflan­zung konn­ten wir dadurch bis­her noch nicht beobachten.

Rück­bli­ckend hat sich die Anla­ge des Hoch­moor­be­ckens tat­säch­lich wie geplant ent­wi­ckelt. Da wir vor­her in dem Bereich kei­ner­lei Erfah­rung hat­ten, ist das für uns natür­lich beson­ders erfreulich.

Kpoint: Vie­len Dank Herr Franz­ke, dass Sie sich die Zeit für das Inter­view genom­men haben!

Wenn Ihr ein­mal in Hei­del­berg zu Besuch sein soll­tet, könnt Ihr den Bota­ni­schen Gar­ten natür­lich jeder­zeit besu­chen. Vor Ort könnt Ihr dann sehen, wie gut sich unse­re Torf­moo­se ent­wi­ckelt haben und Ihr fin­det dort noch wei­te­re Infor­ma­tio­nen zu der Anlage.

(Fotos: S. Elf­ner (Bota­ni­scher Gar­ten Uni­ver­si­tät Heidelberg)