Kompetenzen | Karriere

13.11.2017
Kim Karotki

Ammo­ni­ak-Reduk­ti­on für bes­se­res Wachs­tum von Bio-Basi­li­kum

Unser Deutsch­land­sti­pen­di­at gewinnt Green Chal­len­ge

Das Wachs­tum von Bio-Basi­li­kum zu ver­bes­sern, stand im Zen­trum der Mas­ter­ar­beit von Chris­ti­an Fre­richs, und zwar durch die Redu­zie­rung von Ammo­niak­kon­zen­tra­tio­nen bei der orga­ni­schen Dün­gung. Der Stu­dent der Agrar- und Lebens­mit­tel­wirt­schaft an der Hoch­schu­le Osna­brück und einer unse­rer Deutsch­land­sti­pen­dia­ten erklärt, was es mit Ammo­ni­ak bei der Kul­tur von Bio-Basi­li­kum auf sich hat. Im Inter­view an sei­ner Sei­te ist Men­tor Eck­hard Schlü­ter, der bei Klasmann-Deilmann in der Pro­dukt­be­ra­tung ins­be­son­de­re für Sub­stra­te im orga­ni­schen Anbau zustän­dig ist.

Bei der Green Chal­len­ge haben Sie mit Ihrem Pro­jekt den ers­ten Preis gewon­nen. Was war das für ein Gefühl?

Chris­ti­an Fre­richs: Es ist für mich eine gro­ße Ehre bei einer wis­sen­schaft­li­chen Tagung den ers­ten Platz gewon­nen zu haben. Der größ­te Gewinn für mich war, dass ich nun unter den Wis­sen­schaft­lern im Gar­ten­bau bekannt bin und so Kon­tak­te knüp­fen kann.

Was haben Sie mit Ihren Expe­ri­men­ten mit Bio-Basi­li­kum her­aus­ge­fun­den?

Chris­ti­an Fre­richs: Die Ver­su­che haben gezeigt, dass Topf­ba­si­li­kum nicht nur eine ammonium‑, son­dern auch eine ammo­niak­sen­si­ble Pflan­ze ist. Im öko­lo­gi­schen Anbau muss das Nähr­ele­ment Stick­stoff in orga­ni­scher Form gedüngt wer­den. Der orga­ni­sche Stick­stoff kann aber nicht direkt von der Pflan­zen­wur­zel auf­ge­nom­men wer­den, son­dern wird nach der Dün­gung zunächst zu Ammo­ni­um und erst mit einer Ver­zö­ge­rung von Tagen bis Wochen zu Nitrat umge­wan­delt. Im Zuge der Ammo­ni­um­bil­dung steigt häu­fig der pH-Wert im Kul­tur­sub­strat an, was zu einer erhöh­ten Frei­set­zung von gas­för­mi­gem Ammo­ni­ak füh­ren kann.

Chris­ti­an Fre­richs bei der Ammo­ni­ak-Mes­sung – die­ses von ihm ent­wi­ckel­te Mess­ver­fah­ren ermög­licht, Ammo­ni­ak direkt im Pflan­zen­be­stand zu erfas­sen.

Wie lässt sich das in der Pra­xis des Gar­ten­bau­be­trie­bes umset­zen?

Chris­ti­an Fre­richs: Aus den Ergeb­nis­sen mei­ner Arbeit kön­nen kon­kre­te Maß­nah­men in Bezug auf die Art und Höhe der orga­ni­schen Dün­gung oder die Sub­strat­zu­sam­men­set­zung abge­lei­tet wer­den. Auch konn­te die posi­ti­ve Wir­kung von hoch­wer­ti­gem Grün­kom­post bestä­tigt wer­den.

Eck­hard Schlü­ter: Zum Teil gab es zu dem The­men­kreis bereits Hypo­the­sen, mit denen wir in der Ver­gan­gen­heit gear­bei­tet haben. Durch die akri­bi­sche und sys­te­ma­ti­sche Arbeit von Chris­ti­an Fre­richs haben wir jetzt wis­sen­schaft­lich beleg­te Fak­ten für die Bera­tung und Pro­dukt­ent­wick­lung im Bio­an­bau von Topf­kräu­tern.

War­um haben Sie sich für die­ses The­ma ent­schie­den?

Chris­ti­an Fre­richs: Das The­ma „Ammo­ni­umsen­si­bi­li­tät von Topf­ba­si­li­kum“ habe ich bereits in mei­ner Bache­lor­ar­beit unter­sucht. Dar­auf auf­bau­end woll­te ich nun her­aus­fin­den, inwie­fern das Ammo­ni­ak, wel­ches eben­falls nach orga­ni­scher Dün­gung frei­ge­setzt wird, für Ertrags­de­pres­sio­nen und Pflan­zen­schä­den ver­ant­wort­lich ist. Beson­de­re Her­aus­for­de­rung bei der Mas­ter­ar­beit war die Mes­sung des Ammo­niaks. Es han­delt sich dabei um eine gas­för­mi­ge Ver­bin­dung, für die zur­zeit noch kein eta­blier­tes Mess­ver­fah­ren zur Ver­fü­gung steht. Für mei­ne Mes­sun­gen muss­te ich daher selbst ein Mess­sys­tem ent­wi­ckeln. Dank der finan­zi­el­len Unter­stüt­zung durch Klasmann-Deilmann konn­te ich mein Vor­ha­ben dann in die Tat umset­zen. Das Unter­neh­men hat mir sowohl das benö­tig­te Equip­ment für das Mess­sys­tem als auch die für die Dün­ge­ver­su­che ver­wen­de­ten Sub­stra­te und Dün­ger zur Ver­fü­gung gestellt.

Eck­hard Schlü­ter: Basi­li­kum in Bio­qua­li­tät ist mit Abstand die bedeu­tends­te Kul­tur im Topf­kräu­ter­an­bau. Daher hat die Bear­bei­tung von Kul­tur­fra­gen hin­sicht­lich Dün­gung, Sub­strat, Trau­er­mü­cken mit der Hoch­schu­le Osna­brück für uns schon eine gewis­se Tra­di­ti­on. Auch die Bache­lor- und Mas­ter­ar­beit von Chris­ti­an Fre­richs basie­ren teil­wei­se auf die­sen Vor­ar­bei­ten.

Wie hat sich durch ihr Deutsch­land­sti­pen­di­um der Kon­takt zu Klasmann-Deilmann gestal­tet?

Chris­ti­an Fre­richs: Durch das von Klasmann-Deilmann geför­der­te Deutsch­land­sti­pen­di­um habe ich mein Stu­di­um finan­zi­ell auf siche­re Bei­ne stel­len kön­nen. Ich hof­fe, dass die gewon­ne­nen Erkennt­nis­se aus mei­ner Bache­lor- und Mas­ter­ar­beit für das Unter­neh­men eben­falls einen Gewinn dar­stel­len. Auch nach Aus­lau­fen des Deutsch­land­sti­pen­di­ums stand ich immer wie­der in Kon­takt mit Herrn Schlü­ter, der mich fach­lich bei mei­nen Ver­su­chen unter­stützt hat.

Eck­hard Schlü­ter: Für mich war es eine gro­ße Freu­de, den Fort­schritt der Ver­su­che zu ver­fol­gen. Die Arbeit von Chris­ti­an Fre­richs zeich­net sich durch einen star­ken Pra­xis­be­zug aus. Hier wur­den kon­kre­te Fra­ge­stel­lun­gen aus der gar­ten­bau­li­chen Pro­duk­ti­on wis­sen­schaft­lich auf­ge­ar­bei­tet. Die­sen Pra­xis­be­zug immer wie­der bei der Ver­suchs­pla­nung und der Dis­kus­si­on von Ergeb­nis­sen ein­zu­brin­gen, war für mich ein beson­de­res Anlie­gen.

Wel­che Plä­ne haben Sie für Ihre Zukunft?

Chris­ti­an Fre­richs: Am 6. Okto­ber 2017 habe ich nun mein Mas­ter­stu­di­um abge­schlos­sen. Seit­dem arbei­te ich an der Land­wirt­schafts­kam­mer NRW (Kreis­stel­le Bor­ken). Ich betreue hier ein Pro­jekt zur Min­de­rung der Nitrat­aus­wa­schung von gemü­se­bau­lich genutz­ten Flä­chen. Im Fokus steht dabei der Anbau von Spi­nat. Ich sehe das Pro­jekt als eine Wei­ter­ent­wick­lung mei­ner Fähig­kei­ten. So habe ich mich die letz­ten drei Jah­re mit dem Stick­stoff­haus­halt in Sub­stra­ten beschäf­tigt. Im neu­en Pro­jekt steht der Stick­stoff­haus­halt im Boden im Vor­der­grund. Mein Ziel ist es nach erfolg­rei­chem Anlau­fen des Pro­jek­tes auch eine Dis­ser­ta­ti­on zu die­sem The­ma zu ver­öf­fent­li­chen.

Eck­hard Schlü­ter: Es macht uns natür­lich stolz, wenn durch unse­re Unter­stüt­zung eine sehr ver­hei­ßungs­vol­le wis­sen­schaft­lich Kar­rie­re beginnt. Wir sind sicher, dass Chris­ti­an Fre­richs auch sein neu­es Pro­jekt mit viel Lei­den­schaft und wis­sen­schaft­li­chem „Biss“ ange­hen wird und wün­schen ihm für sei­nen wei­te­ren Weg alles Gute.

Vie­len Dank für das Gespräch und alles Gute für Ihre Zukunft!

&feature=youtu.be”>Hier geht’s zum Video, das Chris­ti­an Fre­richs für die Green Chal­len­ge ein­ge­reicht hat.